Magdeburg (dpa) l Es gab nur zwei Anträge in zwei Jahren – jetzt hat Sachsen-Anhalt den Hebammenfonds mangels Nachfrage eingestellt. Das Land hatte seit 2019 neue freiberufliche Hebammen oder Wiedereinsteigerinnen mit einem 5000-Euro-Zuschuss zur Berufshaftpflichtversicherung unterstützen wollen. Nach einem Antrag im Jahr 2019 ging im vergangenen Jahr nur ein weiterer ein, wie das Sozialministerium auf Nachfrage mitteilte. "Insgesamt wurden zwei Anträge bewilligt und ausgezahlt. Es wurden keine Anträge abgelehnt", erklärte ein Sprecher. Insgesamt seien 10.000 Euro geflossen.

Dabei wäre eine Förderung für bis zu 20 Hebammen oder Entbindungspflegern pro Jahr möglich gewesen. "Dass sich nur zwei Hebammen für eine Förderung entschieden haben, lässt vermuten, dass kein Bedarf an einer Förderung im Bereich der Berufshaftpflicht für Hebammen, die neu in die Geburtshilfe einsteigen wollen, vorliegt", hieß es weiter aus dem Ministerium. Eine weitere Förderung sei nicht vorgesehen.

Aus Sicht von Hanna Ojus vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands war der Fonds gut gemeint, passte aber nicht zur Praxis. "Das Ziel ist überhaupt nicht erreicht." Wer sich selbstständig mache, beginne nicht sofort mit der Geburtshilfe, sondern fange mit der Geburtsvorbereitung an. Bis die ersten Geburten anstünden, die Voraussetzung für die Förderung gewesen seien, vergingen viele Monate. Ojus, die als Hebamme in Quedlinburg außerklinische Geburten anbiete, verwies auf Bayern: Dort würden auch 5000 Euro gezahlt, allerdings für jede Hebamme, die sich selbstständig mache, und unabhängig davon, ob sie gleich Geburtshilfe anbiete.

Und noch ein Problem habe es hierzulande gegeben: Der Hebammenfonds war Ende 2019 auf den Weg gebracht worden, es blieben im ersten Jahr also nur wenige Wochen. Dass er 2020 weitergeführt wurde, sei nicht richtig vermittelt worden, sagte Ojus. Die Information sei schlichtweg nicht angekommen.

2016 war in Sachsen-Anhalt ein Runder Tisch eingerichtet worden, der im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen vereinbart worden war. Im Mittelpunkt sollten stehen: die natürliche Geburt stärken, den Bedarf decken, die Qualität sichern. Das einzig Greifbare, das aus Ojus' Sicht daraus erwachsen ist, sind die Hebammenkreißsäle in Halle, in denen die Gebärenden eins zu eins von einer Hebamme betreut werden, sowie der baldige Start eines Studiengangs für Hebammen an der Universität Halle. 20 Studierende seien allerdings viel zu wenig.

Mit Blick auf den Mangel an Hebammen, der ein Grund für die Arbeit des Runden Tischs war, sagte Ojus: "Eine Verbesserung der Versorgung ist zu null Prozent passiert." Höchstens 60 Prozent der Frauen fänden eine Hebamme für die Nachsorge. Vor- und Nachsorge würden stiefmütterlich behandelt.

Auch wenn der Hebammenfonds nicht gegriffen hat, brauchen die Hebammen Unterstützung. "Wir arbeiten als Hebammen nach der Privatgebührenordnung von 2008", sagte Ojus. "Wenn jemand was für Hebammen machen wollen würde, dann wäre das der erste Hebel."