Magdeburg l Ordnung, Betragen, Fleiß, Mitarbeit – viele kennen Kopfnoten auf dem Zeugnis aus der eigenen Schulzeit. Ungeachtet einer heftigen Debatte in Sachsen hält Sachsen-Anhalt an einem eigenen System der Bewertung von Sozial- und Lernverhalten von Schülern fest. Ausgelöst hatte die Diskussionen im Nachbarland ein Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden. Nach der Klage eines Oberschülers hatten die Richter geurteilt, Kopfnoten seien auf manchen Schulzeugnissen nicht von der sächsischen Landesgesetzgebung gedeckt. Der Schüler hatte moniert, Kopfnoten seien in Bewerbungen nachteilig und diskriminierend.

Das Magdeburger Bildungsministerium gibt sich von der Debatte unbeeindruckt: Eine Gerichtsentscheidung basierend auf dem sächsischen Schulrecht, habe für Sachsen-Anhalt keinerlei bindende Wirkung, teilte die Behörde auf Volksstimme-Anfrage mit. „Die Regelungen in Sachsen-Anhalt unterschieden sich deutlich von denen in Sachsen“, hieß es weiter. Sachsen-Anhalts Schulen vergeben in den Klassen fünf bis zehn Noten für Sozial- und Lernverhalten und ergänzen diese durch eine Verbal-Einschätzung. Beurteilt werden beim Sozialverhalten unter anderem Rücksichtnahme, Toleranz und Gemeinsinn. Beim Lernverhalten sind es etwa Lernbereitschaft, Zielstrebigkeit und Ausdauer.

Auch Klagen gegen das Verfahren gebe es anders als in Sachsen nicht, teilte das Bildungsministerium weiter mit. Änderungen seien nicht geplant.

In Sachsen hatten nach dem Urteil neben Landesschülerrat auch SPD und Grüne die Aussagekraft von Kopfnoten infrage gestellt. CDU-Kultusminister Christian Piwarz sowie Indus-trie- und Handelskammer hatten die Benotung verteidigt.