Berlin/Magdeburg (dpa) l Mathe-Leistungen top, Lehrerausstattung flop: Sachsen-Anhalt hat sich in einem jährlichen Ranking zu Bildungsfragen verschlechtert und ist auf den letzten Platz abgerutscht.

Das Land verliert im neuen Bildungsmonitor im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze, wie die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Freitag in Berlin mitteilte. Auf den Spitzenplätzen stehen Sachsen, Bayern und Thüringen. Am Ende der Tabelle rangieren neben Sachsen-Anhalt auch Bremen und Brandenburg.

Defizite in digitaler Ausstattung

Aus Sicht der Autoren der Studie verschärft die Corona-Pandemie bundesweit die bereits länger bestehenden Schwierigkeiten im Bildungssystem. "Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass das Bildungssystem in Deutschland, besonders im Bereich der digitalen Ausstattung, massive Defizite aufweist", sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr laut einer Mitteilung. Auch die Lehrkräfteknappheit und mangelnde Teilhabechancen würden offenbar.

Der Bildungsmonitor analysiert auch die Pläne der Länder, um den Unterricht im neuen Schuljahr trotz Corona-Pandemie abzusichern. Es müssten Konzepte vermittelt werden, ab welcher Infektionsschwelle auf Kreisebene vom Regelbetrieb auf gesteigerte Vorsichtsmaßnahmen mit Lernen zuhause oder digitalem Unterricht umgestellt werde, verlangte Axel Plünnecke, der als Professor am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Studie leitete. Die Ranking-Spitzenreiter Sachsen und Bayern hätten solche Konzepte frühzeitig kommuniziert.

Engpass an Lehrkräften

Auch für Sachsen-Anhalt bewerten die Studienmacher prinzipiell positiv, dass das Ministerium verschiedene Szenarien für einen Unterricht trotz möglicher neuer Corona-Ausbrüche vorbereitet. Das Bundesland weise für den Fernunterricht mit digitalen Angeboten jedoch ungünstige Voraussetzungen auf, urteilten sie.

Für den Fernunterricht bestehe Ausbaubedarf in ländlichen Regionen beim Zugang zum schnellen Internet. Beim Präsenzunterricht schlage der Engpass an Lehrkräften negativ zu Buche.

Zusätzlich bekam Sachsen-Anhalt für den überdurchschnittlich hohen Altersschnitt bei den Lehrkräften schlechte Noten, der nirgendwo höher sei. In den Kitas ist der Betreuungsschlüssel laut der Untersuchung vergleichsweise schlecht. So müsse jede Erzieherin rechnerisch 8,2 Kinder betreuen. Bundesweit liegt dieser Schnitt bei 5,9 Kindern je Betreuerin.

Mathe und Naturwissenschaften

Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt auch bei den Chancen für ausländische Jugendliche. So schafften im Jahr 2018 nur 2,3 Prozent der Schüler ohne deutschen Pass das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss, der zum Studium berechtigt; bundesweit waren es 9,2 Prozent.

Jeder dritte Jugendliche ohne deutschen Pass verließ die Schule gänzlich ohne Abschluss; hier war es in ganz Deutschland jeder sechste. In anderen Bereichen schneidet Sachsen-Anhalt wiederum ziemlich gut ab.

So liegt es bei den Leistungen der Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften hinter Sachsen, Bayern und Thüringen auf Platz vier.

Ganzstagsbetreuung sehr gut

Auch bei der Ganztagsbetreuung ist das Land spitze: Mehr als 81 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden voriges Jahr ganztägig betreut. Das sei der drittbeste Wert aller Länder und liege weit über dem Bundesschnitt von knapp 47 Prozent, heißt es in der Studie.

Zudem ist der Anteil der Grundschulkinder, die Ganztagsangebote nutzen können, mit 63 Prozent überdurchschnittlich hoch. Im Bund liegt der Anteil nur bei 42 Prozent.

Im "Bildungsmonitor" werden die 16 Bundesländer anhand von 93 Indikatoren analysiert und jährlich miteinander verglichen. Der Fokus liegt darauf, "wie erfolgreich jedes Bundesland sein Bildungssystem so ausgestaltet, dass daraus optimale Wachstums- und Beschäftigungsimpulse entstehen", heißt es bei der INSM. Die INSM wird nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall und Elektro-Industrie finanziert.