Blutkonserven knapp: "Vorrat reicht nur für rund zwei Tage"
Die Blutspende-Depots leeren sich. Teilweise reichen die Vorräte in Sachsen-Anhalt nur noch für zwei Tage - obwohl die Spendebereitschaft hoch ist. Wie kann das sein?
Magdeburg (dpa/sa) - Die Bestände in den Blutspende-Depots in Sachsen-Anhalt sind ausgedünnt. "Der Vorrat reicht nur für rund zwei Tage", sagte der DRK-Blutspendedienst-Sprecher Markus Baulke im niedersächsischen Springe mit Blick auf die Situation in Sachsen-Anhalt. Derzeit würden in den Lagern rund 6000 Erythrozytenkonzentrate - das sind aus roten Blutzellen bestehende Blutkonserven - liegen. "Um sicher über alle Blutgruppen hinweg versorgen zu können, benötigen wir einen Stand von mindestens 10 000 Stück", erklärte Baulke. Ein Ende des Engpasses sei nicht in Sicht.
Derzeit seien nicht die fehlenden Spender das Problem. "Nach einem Rückgang der Spendebereitschaft im März hat sich diese sehr deutlich erholt und ist aktuell sehr gut", erklärte Baulke. Aber wegen der Corona-Vorschriften mit Abstandsregeln und strengen Hygienemaßnahmen gebe es derzeit noch nicht genügend Spendelokale, so der DRK-Blutspendedienst-Sprecher. Die Folge: "Die Klinken haben aktuell einen deutlich erhöhten Blutbedarf."
Die Uni-Blutbank in Magdeburg plant von Sonntag an anlässlich des Blutspende-Tages den Start einer Aktionswoche. Bis zum 19. Juni würden alle Blutspender und Blutspenderinnen neben einer Aufwandsentschädigung zusätzlich einen kostenfreien Vitamin-D-Test erhalten, teilte die Uniblut-Bank in Magdeburg mit. Das sogenannte "Sonnen-Vitamin" spiele eine zentrale Rolle für die Gesundheit. Ziel sei, die Lagerbestände wieder aufzufüllen.
In Sachsen-Anhalt wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres laut Baulke rund 691 Spendetermine beim DRK angeboten. Im Vorjahreszeitraum waren es rund 800. Und die Lage könne sich weiter zuspitzen, so Baulke.
"Durch die Öffnung der Reiseinschränkungen werden meines Erachtens viele Menschen ins Ausland verreisen", sagte Baulke mit Blick auf die Sommerferien. Auch innerhalb von Deutschland seien die Urlaubsziele bereits gut ausgelastet. "Somit sind unsere Spender, einfach gesagt, nicht da", erklärte der DRK-Mitarbeiter. Für die Hitzeperiode gebe es "keinen Puffer."
In Sachsen-Anhalt haben laut Baulke allein beim DRK im vergangenen Jahr rund 99 353 Spendewillige Blut abgegeben. In den Sommermonaten ist die Situation wegen langer Urlaubszeiten und Hitze für die Blutspendedienste meist besonders angespannt.