Magdeburg l Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen-Anhalt und der Polizeiinspektion Dessau haben wahrscheinlich einen Terroranschlag verhindern können. Drei Brüder syrischer Herkunft im Alter von 33, 36 und 40 Jahren stehen in Verdacht, sich Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff aus Polen nach Dessau  liefern lassen zu haben. Die Festnahmen bestätigte am Donnerstag (11. Februar) Oberstaatsanwalt Klaus Tewes von der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung am vergangenen Freitag in Dessau stellte die Polizei zehn Kilogramm Schwarzpulver und Zündschnüre sicher. Auch eine selbstgebastelte Flagge des Islamischen Staates (IS) und einen Koran mit unterstrichenen Textzeilen, in denen es um den Kampf gegen Ungläubige geht, sollen die Ermittler laut einem Bericht des „Spiegel“ gefunden haben. Das Amtsgericht Dessau erließ dann am Sonnabend auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen die Brüder. Die Festnahmen erfolgten in Dietzenbach (Hessen) und in Dänemark.

Chemialien für Sprengstoff geeignet

Die Beamten in Sachsen-Anhalt erhielten nach Volksstimme-Informationen bereits in der vergangenen Woche über das Bundeskriminalamt (BKA) einen Hinweis durch einen Händler in Polen, dass einer der drei Brüder sich in der 3. Januarwoche in eine von ihm angemietete Dessauer Wohnung freiverkäufliche Chemikalien im Kilogrammbereich bestellt habe. Die Substanzen sollen zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sein. Ermittler durchsuchten daraufhin am vergangenen Freitag die Wohnung. Die verdächtigen Brüder waren da offensichtlich schon weg.

In Dänemark und Hessen erfolgten am Wochenende die Festnahmen und die Sicherstellung der Chemikalien. Wie ein Reporter der Online-Zeitung „sn.dk“ der Volksstimme sagte, gab es die ersten Durchsuchungen in einem Mehrfamilienhaus in der dänischen Hafenstadt Holbæk am vergangenen Samstagabend. Dabei gab es seinen Angaben zufolge bei einem Einsatz durch ein Spezialeinsatzkommando sieben Festnahmen innerhalb von 40 Minuten. Die Angaben seien aus Gerichtsunterlagen hervorgegangen. Die Sache wurde demnach als Terrorfall eingestuft. 

Durchsuchung mit Bombenentschärfern

Unter den Festgenommenen waren drei Frauen. Fünf der Verdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft. Zu diesen soll nach Volksstimme-Informationen auch die Mutter und der Vater der Brüder gehören. Am Sonntag erfolgte eine weitere Durchsuchung mit Bombenentschärfern und Chemie-Experten. Am Donnerstagabend meldeten mehrere dänische Medien insgesamt 14 Festnahmen, darunter auch jene in Deutschland.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg ermittelt  wegen „der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“. Wo diese stattfinden sollte, ist noch unklar.