Magdeburg l Für die Wirtschaft sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie in diesen Wochen und Monaten die große Herausforderung. Dass es in den letzten Jahrzehnten unzählige Krisen und Brüche zu bewältigen galt, unterstreicht ein kürzlich erschienenes Buch mit 30 sehr persönlichen Porträts von Firmenlenkern aus Sachsen-Anhalt. Chefinnen uns Chefs aus verschiedenen Branchen kommen zu Wort. Sie haben Traditionsbetriebe fortgeführt, sie haben neue Unternehmen am Markt etabliert.

Es geht um Unternehmer wie Helmut Ehlert, Chef von Ehlert Apparatebau aus Güsten. Über 80 Jahre reicht die Firmenhistorie zurück, sie ist in einigen Teilen ein typisches Beispiel für DDR-Wirtschaftgeschichte. In ihr wird aber auch die Chronik eines Familienunternehmens lebendig, das nie stehengeblieben ist, sich insbesondere in der Nachwendezeit mit immer neuen Ideen am Markt zu behaupten wusste.

Vor über 80 Jahren gegründet, produziert Ehlert Apparatebau anfangs, zu Kriegszeiten und in den ersten Jahren der DDR Behälter für Kalibergbau und Wasseraufbereitung. 1960 wird die Firma eine KG. Man baut Verseiltrommeln und Baggerschaufeln. 1972 die Zwangsenteignung und der Übergang in einen VEB.

Leitplanken für Autobahnen

1970 steigt Dietrich Ehlert in den Betrieb ein, bringt in der Folge nicht nur Know-how aus dem Studium in Freiberg und von der Tätigkeit im Eisenhüttenwerk Thale mit, sondern auch neue Produktideen und Kontakte. Gefertigt werden Stahlschutzplanken, später Konsumgüter und Fasspaletten. 1990 der Neustart: Eine Erbengemeinschaft stellt den Antrag auf Rückübertragung der Arthur Ehlert Apperatebau KG. Nach einigen „Blockadeversuchen“ geht das gut.

In den Jahren darauf gibt es reichlich zu tun. Tausende Kilometer Straßen, ICE-Strecken und neue Bahnknotenpunkte müssen her. Die „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ sind groß angelegte Bauprojekte für Verkehrsverbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Firma aus Güsten mischt kräftig mit, montiert an hunderten Autobahn-Kilometern Leitplanken. Bei deren reiner Montage bleibt es über die Jahre nicht. Die Anforderungen steigen. Natur- und Umweltschutz rücken beim Autobahnbau zunehmend in den Fokus. Querungshilfen und Leiteinrichtungen für Amphibien werden nun gebaut. Eigene Produkte und Technologien kommen zum Einsatz. Für eine der Lösungen meldet Helmut Ehlert - seit 2019 Geschäftsführer - sogar ein Patent an.

Ohren offenhalten

Im Buch nennt er es einen „fatalen Fehler, nicht zu begreifen, wie eminent wichtig Ressourcenschonung und Umweltschutz auch als Wirtschaftsfaktor sind“. Mit Blick auf die lange Unternehmergeschichte spricht der Firmenchef heute stolz von der „Ehlert-Dynastie“, er erinnert sich an Besuche mit Vater Dietrich auf der Leipziger Messe, wo dieser mit „Augen und Ohren“ geklaut habe. Ideen sammeln und für die eigenen Produkte anverwandeln. Gelernt habe über die Jahre von seinem Vater, „vom fertigen Produkt, von dessen Komplexität her zu denken“, resümiert Ehlert im Porträt.

Das Buch bringt spannende und für den jeweilige Zeit exemplarische Geschichten zusammen. Herausgegeben wird es vom Allgemeinen Arbeitgeberverband der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt (AVW). Der Anspruch sei es gewesen, so AVW-Geschäftsführerin Sigrun Trognitz, „ganz persönliche Geschichten und Erfahrungen zu sammeln und aufzuschreiben“. Insbesondere anlässlich des 30. Jahrestags der deutschen Einheit wollte man den Unternehmerinnen und Unternehmern Öffentlichkeit verschaffen“, sagt der AVW-Vorstandsvorsitzende Ralf Luther.

Neben der Geschichte von Ehlert Apparatebau sind im ansprechend gestalteten Band Porträts von bekannten Firmen wie dem Grafischen Centrum Cuno aus Calbe oder der Rundfunk GmbH Gernrode zu finden. Die Texte beleuchten Alexmenü aus Magdeburg, die Lebenshilfe Harzkreis Quedlinburg, die Maschinenfabrik Thale, Stahlbau Magdeburg und andere Unternehmen. Im Beitrag über die Geschichte der Kösener Spielzeug Manufaktur wird erzählt, wie ein Plüsch-Eisbär von Bad Kösen zu Umweltaktivistin Greta Thunberg gelangte. Nur eine von vielen interessanten Anekdoten im Buch.

„Umbruch, Aufbruch – Sachsen-Anhalts Unternehmer auf dem Weg“ herausgegeben vom Arbeitgeberverband, 136 Seiten, 19,95 Euro. Erhältlich unter 0391/6051-557 oder info@avw-sachsen-anhalt.de