Magdeburg l Der AfD-Landesvorstand hat den Direktkandidaten für die Bundestagswahl, An­dreas Kühn (Börde/Jerichower Land), zurückgezogen. Dieser war mit seiner Facebook-Seite in die Kritik geraten. Dort hatte Kühn unter anderem etliche Seiten mit einem „Like“ versehen, die Truppengattungen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verherrlichen. Er markierte auch ein Bild von Adolf Hitler mit „Gefällt mir“. Das Bild eines deutschen U-Bootes, das gegen Ende des Krieges vom Stapel lief, kommentierte er so: „(...) fabelhaftes Stück deutsche Technik. Leider auch zu spät.“ Die heutigen deutschen Marinesoldaten bezeichnete er im Gegensatz zur Deutschen Kriegsmarine als „degenerierte Leute“.

AfD-Landeschef André Poggenburg sagte, es sei „deutlich die vertretbare Grenze überschritten“ worden. Kühns Positionierungen seien „mit dem Grundverständnis der AfD zu diesem Sachverhalt keinesfalls in Einklang zu bringen und geeignet, das Ansehen unserer Partei zu schädigen“. Und: „Das öffentliche und unkritische Bekenntnis zur ,SS-Kampfgruppe Peiper‘, das ,Liken‘ von Hitler-Abbildungen, aber auch das Verächtlichmachen heutiger Marinesoldaten sind für die AfD in keiner Weise tragbar.“ Poggenburg selbst hat sich jüngst eine Rüge des Bundesvorstands eingehandelt für den Satz „Deutschland den Deutschen“.

Kühn sagte am Montag, das „Liken“ sei „ein Fehler“ gewesen. Aber: „Ich sehe darin kein Schwerstverbrechen.“ Er habe die Likes mit Bezug zur Nazi-Zeit mittlerweile entfernt, sagte er und betonte: „Ich bin kein verkappter Nazi. Ich bin bürgerlich-konservativ.“ Das Interesse an Militärtechnik aus Wehrmachtszeiten führt der 51-Jährige auf seinen Großvater zurück. Der habe dazu beigetragen, dass er statt Indianerbüchern „Landser“-Romane gelesen habe. „Irgendwann hat mich der militärtechnische Hintergrund interessiert.“

Kühn will Entscheidung anfechten

Der MDR hatte bereits Ende Mai über Kühns Facebook-Vorlieben berichtet. Der Landesvorstand reagierte zunächst nicht. Er habe sogar Rückendeckung von Poggenburg bekommen, sagte Kühn. Am Sonntag erhielt der Versicherungsfachmann per E-Mail die für ihn überraschende Nachricht, dass er zurückgezogen werde. „Das ist zum Kotzen“, sagte Kühn. Er kündigte an, die Vorstandsentscheidung vor dem AfD-Landesschiedsgericht anzufechten. Er habe zudem den AfD-Bundesvorstand eingeschaltet. Felix Zietmann, Vorsitzender der Börde-AfD, kritisierte den Parteivorstand: „Das ist extrem frech“, sagte er. „Dafür habe ich kein Verständnis. Unsere Geduld ist erschöpft.“ Auch er prüft rechtliche Mittel.

Kühn hatte sich im März um den Spitzenplatz der AfD-Landesliste für die Bundestagswahl beworben. Dabei unterlag er dem vom Landesvorstand unterstützten Martin Reichardt mit 102 zu 142 Stimmen. Ende Mai wurde Kühn zum Direktkandidaten für den Wahlkreis Börde und Jerichower Land gewählt. Zuvor hatte der Vorstand die Wahl des bereits im Dezember 2016 gekürten Wolfgang Rehfeld aufgehoben. Ihm war vorgeworfen worden, zu einer Verschwörergruppe zu gehören, die den Landesvorstand stürzen wollte.