Magdeburg l Geht es nach den Umfragen, dann ist das Rennen um Platz eins bei der Bundestagswahl wohl gelaufen: Die Union kommt bundesweit seit Wochen auf etwa 40 Prozent, Verfolger SPD ist mit etwa 25 Prozent weit abgeschlagen. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Schulz reist durchs Land, gibt Interviews, liefert Statements zu allen Themen (Türkei, Diesel, E-Autos) und macht einen Zehn-Punkte-Plan.

Er müht sich und kann der Amtsinhaberin doch nur hinterherhecheln. 15 Punke – das ist viel. Schulz verweist zwar gern auf die noch vielen Unentschlossenen unter den Wählern: Doch dass er in den verbleibenden vier Wochen das Rennen noch dreht, daran glauben wohl selbst die Optimisten unter seinen Anhängern nicht mehr.

Es ist viele Jahre her, dass einer Partei eine gigantische Aufholjagd auf den letzten Metern gelang: Das war 2005. Es war die SPD. Vielleicht denkt Schulz ja auch daran. Wochenlang dominierten damals Union und FDP die Umfragen. Die von Hartz-IV-Protesten zerbeulte SPD lag am Boden. Schwarz-Gelb schien so sicher wie das Amen in der Kirche. Noch eine Woche vor der Wahl betrug der Abstand zehn Punkte. Am Wahlabend war es noch ein Pünktchen. Herausforderin Merkel wäre beinahe keine Kanzlerin geworden.

Legendäre Elefantenrunde

Amtsinhaber Schröder fand das so erhebend, dass er bei einer legendären Elefantenrunde im Fernsehen glatt meinte, dass er und nicht sie die neue Regierung führen müsse. Immerhin blieb dann die SPD als Juniorpartner in der Regierung, Schwarz-Gelb hatte sich erstmal erledigt.

Im Wahlkampf produzierte die Union damals Ideen am Fließband, wie man das Steuer- und Gesundheitssystem radikal vereinfachen könnte. Der wirtschaftliberale Kurs verströmte soziale Kälte. Das wusste ein ausgebuffter Wahlkämpfer wie Schröder für sich zu nutzen.

Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Die Union fährt wieder einen moderateren Kurs, und Angela Merkel hütet sich, das Wahlvolk mit präzisen Vorhaben zu irritieren. Zudem: Massenarbeitslosigkeit ist Geschichte, Deutschland ist nicht mehr der kranke Mann Europas, sondern sein wirtschaftlicher Motor.

Enges Rennen von Grünen und FDP

Spannender als das Kanzler-Rennen ist dieses Mal die Frage, wie FDP und Grüne abschneiden. Wer die Nase vorn hat, sitzt wohl künftig mit Angela Merkel am Ministertisch. Vorausgesetzt, die SPD will nicht erneut in eine Große Koalition, was ihr strategisch wohl auch nicht gut bekäme. Ausgehend von den jüngsten Befragungen im Juli und im August braucht ein Regierungsbündnis zusammen etwa 48 Prozent. (Berechnungsbasis sind 95 Prozent, da ewa 5 Prozent an Parteien gehen, die es nicht in den Bundestag schaffen.)

Infografik: Zahl der Briefwähler nimmt zu | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Je nach Umfrage liegt Schwarz-Gelb mal knapp über oder knapp unter dieser Marke. CDU/CSU pendeln um die 40 Prozent, die Liberalen liegen bei etwa acht bis neun Prozent. Etwas schwächer, aber ähnlich sieht es für Schwarz-Grün aus. Die Ökopartei kommt auf sieben bis acht Prozent.

Unrealistisch erscheint Rot-Rot-Grün. Selbst, wenn man die jeweils günstigsten Werte aus den letzten Umfragen addiert, kommt dieses Bündnis auf nur 42 Prozent.

Von Interesse ist noch, wie stark die rechte Seite im neuen Bundestag wird. Die AfD sackte von einst 15 auf mittlerweile 7 bis 10 Prozent ab. Allerdings: Die Partei wird von Demoskopen meist unterschätzt.

Der Osten tickt anders

Im Osten ticken die Uhren ohnehin anders. Hier steht die AfD durchweg noch zweistellig da. Die SPD ist – vor allem in Mitteldeutschland – noch schwächer als im Bundestrend. Das liegt auch an der Linken, die hier in einigen Ländern noch vor der SPD rangiert.

In den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Sachsen steht das Umfragebarometer bislang auf Schwarz-Gelb. In Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf Schwarz-Rot. Nur die Berliner sind eine Ausnahme. Sie können sich für Rot-Rot-Grün erwärmen.

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