Magdeburg l Die Zahl der sogenannten Frachtdiebstähle von Lastwagen in Sachsen-Anhalt steigt dramatisch an. Schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres sind deutlich mehr Fälle registriert worden als im gesamten Jahr 2013. Der bei den 314 angezeigten Diebstählen entstandene Schaden beläuft sich auf 1,6 Millionen Euro.

In den beiden Jahren 2016 und 2017 lag die Summe bei 4,2 Millionen Euro. Sie basiert oft auf den Erstangaben der geschädigten Speditionsfirmen oder Schätzungen der Polizei.Die zunehmend häufige Masche „Planenschlitzen“ entlang der Autobahnen wird nach Erkenntnissen der Polizei oft von organisierten Banden ausgeführt. LKA-Sprecher Andreas von Koß: „Die Diebe stehlen dabei alles, was sich weiterverkaufen lässt.“ Besonders gehören aber hochwertige elektronische Artikel wie Smartphones oder Tablets und Reifen zur Beute. Aktuell haben die Täter verstärkt die Parkplätze der Autobahnen 9 und 38 im Süden des Landes im Visier.

Mittelsmänner am Werk

Auswertungen der Ermittlungen ergaben außerdem, dass in vielen Fällen auch Mittelsmänner vor dem Diebstahl angerufen werden, ob die Ladung für den Weiterverkauf „geeignet“ ist. Auch das eigentliche Vorgehen am Tatort lässt auf organisiertes Handeln schließen: Wenn die Planenschlitzer einen passenden Lkw ausgemacht und geöffnet haben, transportieren Komplizen oftmals gleich palettenweise die Beute mit Transportern oder sogar kleinen Lkw ab.

Banden schlagen europaweit zu

Sachsen-Anhalt, Sachsen und das Land Brandenburg sind zwar bevorzugtes Ziel der Banden. Sie schlagen aber bundesweit und sogar auch in angrenzenden europäischen Ländern zu. Weil Sachsen-Anhalts Ermittlern außerdem auffiel, dass viele der gefassten Täter aus einer bestimmten Region in Polen kommen, intensivierten sie die Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden. Es soll nach Volksstimme-Informationen bereits erste gemeinsame Aktionen gegeben haben.

„Die Erkenntnisse der offensichtlich zusammenhängenden Fälle in ganz Deutschland haben schließlich zur Planung des Projektes ,Cargo‘ geführt“, erklärt der LKA-Sprecher weiter. Um die Ermittlungen gegen die Szene der organisierten Planenschlitzer in den einzelnen Bundesländern besser führen zu können, sollen künftig alle diese Fälle in einer Datenbank zusammengefasst werden. In Magdeburg könnten dann so genannte Lagebilder für ganz Deutschland erstellt und Ermittlungen koordiniert werden. Auch die internationale Zusammenarbeit mit Ländern wie Polen und Tschechien soll verbessert werden.

Wie groß das Problem der Planenschlitzer tatsächlich ist, zeigen erstmals erstellte gemeinsame Berechnungen mehrerer Wirtschaftsverbände unter Beteiligung des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V. aus Frankfurt am Main. Jährlich werden demnach Ladungen von nahezu 26 000 Lkw gestohlen. Allein die gestohlenen Güter haben einen Wert von 1,3 Milliarden Euro.

Das Projekt „Cargo“ unter Führung des LKA Sachsen-Anhalt soll am 1. Juli dieses Jahres starten und zunächst zwei Jahre laufen.