Wernigerode l Als Hochschullehrerin für Umwelttechnik/Umweltmanagement ist Prof. Dr. Andrea Heilmann auch für die moderne Biogasanlage in der „Papierfabrik“ auf dem Wernigeröder Campus zuständig.

Die Anlage dient den Studierenden für Experimente und Beobachtungen. Die Ingenieurin erklärt: „In Deutschland gibt es etwa 9000 Biogasanlagen, die natürlich viel größer sind als unsere Versuchsanlage. Die Funktionsweise ist jedoch die gleiche: Die in der Anlage enthaltenen Mikroorganismen zersetzen Biomasse – also biologische Abfälle und nachwachsende Rohstoffe – unter Sauerstoffabschluss in Methan und Kohlendioxid. Über Schläuche wird das Biogas durch Messgeräte abgeleitet und gesammelt.“ In der Praxis erfolgt dann die direkte Nutzung über Blockheizkraftwerke oder eine Einspeisung ins Erdgasnetz. Auf dem Campus steht die Volumenmessung und -analyse im Mittelpunkt.

Vielfältiger Einsatz

Der Einsatz der Anlage ist vielfältig: Von Projekt- bis Doktorarbeiten ist alles dabei. Zur Seite steht dem Nachwuchs Frauke Gerlach. „Das Ziel ist natürlich stets, so viel Biogas wie möglich zu produzieren. Die Studierenden führen Experimente durch, sie prüfen, wie aktiv die enthaltenen Bakterien sind und welche Reaktionen eine Veränderung der Bedingungen – z.B. die Erhöhung der Temperatur – hervorruft“, erklärt die Laboringenieurin. So finden die angehenden Akademiker heraus, was gut läuft und was nicht. „Es ist im Grunde ein wenig wie beim Menschen: Zuviel Essen sorgt für Verdauungsprobleme, wenn man zu wenig isst, gibt es Mangelerscheinungen“, meint die 41-Jährige augenzwinkernd.

Für die Wirtschaftsingenieurin Katharina Beßler waren die auswertbaren Resultate und der praktische Bezug im Rahmen ihres Forschungsprojekts ein großes Plus. Schon im Bachelor-Praktikum bei einem lokalen Energieversorger lernte sie Biogasanlagen kennen. Jetzt studiert die 29-Jährige das Master-Programm Technisches Innovationsmanagement und prüfte die Herausforderungen der Inbetriebnahme von Biogasanlagen: „Zu Beginn müssen sich die Mikroorganismen entwickeln, ich habe untersucht, wie schnell man sie belasten kann und wie eine optimale Anfangsphase aussieht“, berichtet die Deutschlandstipendiatin.

Mädchen früh begeistern

Karen Fronk arbeitet derzeit an ihrer Dissertation zur Biogasanlage. Dabei hat die Graduiertenstipendiatin untersucht, wie die Bakterien auf einen Mangel von Spurenelementen im Substrat – also der zugeführten Biomasse – reagieren. Das Ziel der Forschung: Die bedarfsgerechte Dosierung der Spurenelemente, die momentan teils noch „säckeweise“ zugegeben werden. Andrea Heilmann betreut die Arbeit als Zweitgutachterin. Und auch sonst liegt ihr die Nachwuchsförderung am Herzen: „Wirtschaftsingenieurwesen ist längst keine Männerdomäne mehr, wir möchten Mädchen schon früh für den spannenden Bereich der Erneuerbaren Energien begeistern und hoffen, dass viele unserer Einladung zum Girls’Day folgen“, so die Professorin.