Magdeburg l Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) warnt vor Forderungen nach erleichterten Schulabschlüssen wegen Lerneinbußen durch den Corona-Lockdown in den Schulen. "Niemand kann Interesse haben, Schulabschlüsse zu entwerten", sagte er. Die Schüler hätten lange auf ihren Abschluss hingearbeitet. Nun sollten sie auch einen vollwertigen Abschluss erhalten.

Gleichzeitig aber sei klar, "dass es Anpassungen an die aktuellen Bedingungen geben muss." Diese würden derzeit erarbeitet, sagte der Minister. Vorstellbar sei etwa ein höherer Anteil an Wahlaufgaben. Damit könnte sichergestellt werden, dass Prüfungsthemen, die nicht behandelt werden konnten, nicht prüfungsrelevant werden.

Verschiebung Sommerferien derzeit kein Thema

Zur Frage des Zeitpunkts der Prüfungen in diesem Jahr sagte der Politiker: "Über den Ablauf und die Zeit der Prüfungsvorbereitung werden wir informieren, wenn Klarheit darüber besteht, wie in den kommenden Monaten der Schulbetrieb organisiert wird." Debatten über die Verschiebung der Sommerferien seien aktuell nicht hilfreich.

Hintergrund für Tullners Positionierung: Am Sonntag hatte die SPD-Landtagsfraktion vorgeschlagen wegen coronabedingter Lerneinbußen den Zugang zu Abschlussprüfungen zu erleichtern und den Umfang der Prüfungsleistungen zu reduzieren. "Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen", sagte Fraktionschefin Katja Pähle. Sie ergänzte: "Wir müssen jungen Leuten nach der Pandemie einen guten Start ermöglichen.

Heute beraten die Kultusminister darüber, wie es in den Schulen weitergehen soll. Wenig deutet dabei auf einen Beginn des Präsenzunterrichts am 11. Januar hin. Einzelne Bundesländer könnten - abhängig von ihren Fallzahlen - auch verschiedene Wege gehen. Morgen wollen dann Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen entscheiden.