Magdeburg l Eigentlich sollten Clubs und Diskotheken wieder zum 1. November öffnen dürfen. Doch vorige Woche machte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) deutlich, dass sie wegen steigender Corona-Zahlen weiter dichtbleiben müssen. Das Kabinett wird das heute wohl so beschließen.

Bereits seit März ist Schluss mit Partys. Die Betreiber schlagen Alarm. „Der Stillstand der vergangenen sieben Monate und die derzeitige Perspektivlosigkeit bringt nun auch bisher völlig wirtschaftlich gesunde Clubs und Diskotheken an den wirtschaftlichen Abgrund“, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Brandbrief an Haseloff und Minister Willingmann. „Für die Betreiber der Clubs steht die Uhr auf 5 nach 12! Die Schmerzgrenze und die finanzielle Leidensfähigkeit der Einrichtungen und Akteure sind überschritten.“

Die bisherigen Förderprogramme der Soforthilfen und Überbrückungshilfen seien wegen ihrer finanziellen Beschränkung und bürokratischer Hemmnisse „nur teilweise nutzbar“ gewesen und würden selbst bei einer 100-prozentigen Inanspruchnahme nicht zum Decken der Kosten reichen, heißt es weiter. „Wir brauchen konkrete, schnelle und unbürokratische Hilfen für eine wirtschaftliche Perspektive und für einen Neustart.“ Gefordert werden die Übernahme der betrieblichen Fixkosten zu 100 Prozent, ein angemessener Unternehmerlohn, eine Ausfallentschädigung für entgangene Umsätze aufgrund der Betriebsverbote sowie die Erstattung der getätigten Investitionskosten für die zunächst geplante Wiedereröffnung Anfang November.

Videos

„Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, die Reserven sind aufgebraucht“, sagt Stephan Trappe von der „Buttergasse“ in Magdeburg. Seit März habe er „quasi ein Berufsverbot“. Zwar sei ihm der Vermieter finanziell entgegengekommen. Doch dem Unternehmer, vielen als DJ Stevie T. und Co-Veranstalter vom Love Music Festival bekannt, sind in der Corona-Krise bislang nach eigenen Angaben Umsätze „im siebenstelligen Bereich“ verlorengegangen. Auch er hofft auf finanzielle Hilfe des Landes. „Leider Gottes sind wir nicht die Lufthansa“, sagt er. Um die Kranich-Linie zu retten, hatte der Staat ein Hilfspaket von neun Milliarden Euro geschnürt.

Guido Schwirzke, Inhaber des „Prinzzclub“ in Magdeburg, sagt: „Mir sind seit März bestimmt 200 000 Euro Umsatz flötengegangen.“ Er geht schon jetzt davon aus, dass die Clubszene noch bis März nächsten Jahres darniederliegt: „Da braucht man sich nichts vorzumachen.“ Im Brandbrief steht indes, dass in der Corona-Pandemie nur der legale Clubbetrieb eine kontrollierte und professionelle Feierkultur garantiere. „Eine weiter geschlossene Club­landschaft sorgt für immer mehr unkontrollierte illegale Partys und Veranstaltungen, die das Infektionsgeschehen noch mehr in die Höhe treiben“, heißt es. Die Schließung verhindert keine Infektionen, sondern fördert illegale Spreading-Events, die nicht nachzuverfolgen sind.“

Allerdings: Hätten Diskos und Clubs tatsächlich zum 1. November öffnen dürfen, wären weder „Buttergasse“ noch „Prinzzclub“ dabei gewesen. „Wir hätten nicht kostendeckend arbeiten können“, sagt Schwirzke. Grund: Die zunächst geplante Öffnung war an strenge Corona-Auflagen geknüpft. Clubs und Diskos hätten eine Auslastung von 60 Prozent nicht überschreiten dürfen und Mindestabstände beachten müssen. Die Party im Club wäre in etwa so gewesen „wie ein Schwimmbad ohne Wasser“, sagt Schwirzke.

Wirtschaftsminister Willingmann sagt, er halte die Forderungen der Clubbetreiber „für nachvollziehbar“. Er werde dem Kabinett auf der heutigen Sitzung die kurzfristige Einführung eines Corona-Härtefallprogramms vorschlagen.

Erfahren Sie mehr über die aktuelle Magdeburger Clubszene von dem "Insel der Jugend"-Clubbesitzer Michael Conrad im Videointerview von Vidoejournalistin Samantha Günther.