Magdeburg (dpa) l Die Corona-Krise hat den Jugendherbergsbetrieb im Land zum Stocken gebracht. Rund 172.000 gebuchte Übernachtungen seien allein für dieses Jahr in den vergangenen Monaten storniert worden, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerk Landesverbands Sachsen-Anhalt, Marc Nawrodt, in Magdeburg. Dadurch fiel mehr als die Hälfte der geplanten Jahreseinnahmen weg. Die gebuchten Übernachtungen hätten rund 6,2 Millionen Euro an Einnahmen bedeutet, sagte Nawrodt. Schuld an der Misere seien die Corona-Krise und fehlende Unterstützung.

Die vergangenen Monate waren turbulent für den Landesverband. Am 20. März mussten auf Grundlage der Corona-Verordnung des Landes kurzfristig alle 15 Herbergen schließen. Ende Mai konnten zehn Häuser wieder geöffnet werden, sagte Nawrodt. Aus wirtschaftlichen Gründen blieben die übrigen fünf Herbergen weiterhin geschlossen.

Starke Verluste

Die Ausnahmesituation brachte starke Verluste mit sich. Den Angaben zufolge gab es von Anfang Januar bis Ende Juni rund 39.000 Übernachtungen in den Jugendherbergen des Landes. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch mehr als 148.000 Übernachtungen. Die Zahl der Gäste lag im ersten Halbjahr 2020 bei etwa 17.000 – fast 47.000 weniger als im Vorjahreszeitraum.

"Da Klassenfahrten für das vergangene Schuljahr untersagt wurden und noch große Unsicherheit in Bezug auf das neue Schuljahr herrscht, wird dieser Teil der Übernachtung wohl fast vollständig bis zum Ende des Jahres wegbrechen", sagte Nawrodt mit Blick auf die bevorstehenden Monate. Auch bei den Gruppenreisen sei bis zum kommenden Jahr mit deutlichen Buchungsrückgängen zu rechnen. Ein wenig Entspannung sei wegen der steigenden Nachfrage von Familien, die kurzfristig lieber im Inland Urlaub machen würden, zu erwarten. Jedoch könnten auch sie nicht das Hauptgeschäft – die Klassenfahrten und Gruppenausflüge – kompensieren.

Wenig Unterstützung

"Insgesamt ist zu befürchten, dass das Buchungsgeschehen frühestens im Jahre 2022 wieder Vor-Corona-Zahlen erreichen könnte", sagte der Landesgeschäftsführer. Bis auf eine Soforthilfezahlung des Wirtschaftsministeriums des Landes habe der Landesverband keine staatlichen Hilfen erhalten. "Daher müssen wir derzeit fast alleine von unserer Liquiditätsreserve leben", so Nawrodt. Dazu würden auch angesammelte Mittel, die für einen in Quedlinburg geplanten, neuen Standort vorgesehen waren, angezapft.