Magdeburg (dpa) l Der bisherige Lockdown hat die Corona-Pandemie nicht ausreichend eingedämmt – nun reagieren Bund und Länder mit deutlich schärferen Regeln. In Sachsen-Anhalt heißt das für die nächsten Wochen zusätzlich: nur noch Notbetreuung in Schulen und Kitas, Treffen nur noch mit einem weiteren Menschen, der nicht im gleichen Haushalt wohnt – und möglichst viel zuhause bleiben. Was im Detail ab Montag gilt, will die schwarz-rot-grüne Landesregierung bis zum Freitag in einer neuen Landesverordnung festlegen.

Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für Corona-Impfungen in den zentralen Anlaufstellen der Landkreise und die Impfungen in den Pflegeheimen und Krankenhäusern. Was bisher bekannt ist:

SCHULEN:

Wenn am Montag die Weihnachtsferien zu Ende sind, gibt es für fast alle Schülerinnen und Schüler für die kommenden Wochen nur noch Online-Angebote und Aufgaben für zuhause. Lediglich die Abschlussklassen bekommen täglichen Präsenzunterricht, wie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte. Damit gelten wieder so starke Einschränkungen wie zuletzt im April 2020 zu Beginn der Pandemie. Vor den Ferien hatte Sachsen-Anhalt die Präsenzpflicht für die ersten bis sechsten Klassen aufgehoben. Wer wollte oder musste, konnte seine Kinder trotzdem in die Schule schicken.

Ab Montag gilt: Nur wer eine Arbeitgeberbescheinigung für einen systemrelevanten Job hat oder alleinerziehend ist, hat für seine Kinder bis zur sechsten Klasse Anspruch auf Notbetreuung. Alle älteren Jahrgänge dürfen nicht mehr in die Schulen, sondern bekommen Fernunterricht. Dabei will Tullner darauf achten, dass es sowohl Online-Kurse als auch analoge Lernangebote wie Wochenpläne gibt. So solle verhindert werden, dass Familien einen Nachteil haben, denen technische Ressourcen für digitales Lernen fehlen, sagte Tullner. Die Regeln sollen bis mindestens 31. Januar gelten.

Trotz der Schließungen können sich Lehrkräfte und weiteres Personal ab Donnerstag freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. An dem schon vor Wochen gefassten Plan werde festgehalten, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Mittwoch auf Anfrage. Ein Grund dafür sei, dass bis zum Wochenende in vielen Schulen viel Personal zusammenkomme, um den Unterricht nach den Ferien zu organisieren. Schon vor Weihnachten hatte das Land mehr als 40.000 Schnelltests verteilen lassen.

KITAS:

Auch in den Kindertagesstätten herrscht in den kommenden Wochen Notbetrieb. Wie bei den Schulen gilt: Nur Eltern mit systemrelevanten Berufen könnten ihre Kinder betreuen lassen, sagte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Im Gegenzug vereinbarten Bund und Länder, dass jedes Elternteil zehn weitere Tage lang Kinderkrankengeld bekommen kann, wenn der Nachwuchs wegen der Einschränkungen zuhause betreut werden muss. Die Leistung soll aus Steuereinnahmen finanziert werden, wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte.

KONTAKTE:

Sachsen-Anhalt gibt für die kommenden Wochen seine vergleichsweise liberale Kontaktregel auf, nach der sich bis zu fünf Menschen treffen dürfen. Ab Montag gilt – wie bundesweit: Jeder Haushalt darf sich mit maximal einem weiteren Menschen treffen. So solle die Vereinsamung von Alleinstehenden verhindert werden, sagte Grimm-Benne. Wer könne, solle so oft es geht zuhause bleiben. Auch Arbeitgeber sollten, wann immer möglich, Heimarbeit ermöglichen.

BEWEGUNGSRADIUS:

Bund und Länder haben verabredet, dass sich jeder nur noch 15 Kilometer um seinen Wohnort herum bewegen kann, der in einem Landkreis mit mehr als 200 nachgewiesenen Infektionsfällen je 100.000 Einwohnern und Woche lebt. Vor allem touristische Ausflüge über diesen Radius hinaus sollen explizit unterbunden werden.

In Sachsen-Anhalt würde das nach aktueller Übersicht des Gesundheitsministeriums für 8 der 14 Kreise und kreisfreien Städte entsprechende Einschränkungen bedeuten, für 6 aber nicht. Doch wie genau die Regel im Land umgesetzt wird, muss laut Haseloff noch entschieden werden. Die Regelung werde sich in der neuen Landesverordnung wiederfinden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch. Die genaue Formulierung sei in der Abstimmung.

IMPFUNGEN:

Bisher wird der Corona-Impfstoff ausschließlich an Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen, deren Pflegerinnen und Pfleger sowie Beschäftigte in Krankenhäusern verabreicht. Eine ursprünglich für Montag erwartete Lieferung mit dem Biontech-Impfstoff soll nun schon am Wochenende eintreffen. Ab Montag wollen dann ersten Landkreise den Betrieb in ihren Impfzentren aufnehmen.

Jeder der elf Landkreise und drei kreisfreien Städte hat je eine zentrale Anlaufstelle dafür. Ab wann Impfberechtigte Termine buchen können, unterscheidet sich von Region zu Region. Sowohl die zentrale Hotline 116 117 als auch eine entsprechende Online-Plattform waren am Dienstag schon erreichbar. Buchbar waren Termine laut Gesundheitsministerium unter anderem bereits im Burgenlandkreis. Halle kündigte an, ab Donnerstag Termine anzubieten.

Bei den Impfungen in den Zentren stehen zunächst weiterhin Menschen im Alter von über 80 Jahren sowie Pfleger und Krankenhaus-Personal ganz vorn. Wann weitere Bevölkerungsgruppen dazukommen, hängt von weiteren Lieferungen des Impfstoffes ab.

Sachsen-Anhalt kommt gemessen an der Bevölkerungsanzahl bisher besser bei den Impfungen voran als die meisten anderen Bundesländer. Am Mittwoch meldete das Robert Koch-Institut insgesamt 17.123 Impfungen im Land und damit 1495 mehr als am Vortag. Von 1000 Sachsen-Anhaltern waren somit 7,8 mit der ersten von zwei Dosen geimpft, das ist die zweitbeste Quote aller Bundesländer. Nur Mecklenburg-Vorpommern (8,6) steht noch besser da.

CORONA-LAGE:

Von 100.000 Sachsen-Anhaltern wurden in den vergangenen sieben Tagen 190,95 positiv auf Corona getestet. Die verschärften Einschränkungen sollen dabei helfen, dass dieser Wert unter 50 gedrückt wird. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsministerium 55 weitere Todesfälle und 933 neue Infektionen im Vergleich zum Vortag. Das waren deutlich mehr als am Dienstag (796). Über die Feiertage hatte es aber weniger Tests gegeben, außerdem wurden nicht alle Ergebnisse sofort weitergeleitet. Die Zahl der Patienten mit schweren Verläufen blieb in etwa gleich: 209 Covid-Patienten lagen am Mittwoch auf einer Intensivstation (-2), davon wurden 120 beatmet (+2).