Magdeburg l Das Corona-Virus breitet sich weiter aus – und trifft die Reisebranche wie ein Faustschlag. „Unsere Umsätze sind um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen“, sagt Jens Pflugmacher. Die Verunsicherung bei den Kunden wachse, der Beratungsbedarf steige, so der Inhaber zweier Reisebüros in Staßfurt und Magdeburg.

Auch im Reisebüro Schröder in Magdeburg reißen die Anfragen zu Stornierungen, Umbuchungen und Einreisebestimmungen nicht ab. Gerade hat Büroleiterin Nancy Barth die im Mai geplante Kreuzfahrt einer Kundin auf das kommende Jahr umgebucht. Seit Donnerstag häufen sich die Anfragen von Kunden, die eine Reise in die USA geplant hatten. Präsident Donald Trump hat ein Einreiseverbot für alle Europäer verhängt. Problem derzeit: „Es ist sehr schwierig, die Veranstalter für Rückfragen zu erreichen“, sagt Barth.

Nicht voreilig stornieren

Irith Damker vom Reiseland Stendal hat soeben die Busreise zweier Kunden nach Rom storniert. Der Busveranstalter erstattet die Kosten. Das Auswärtige Amt rät seit Dienstag von nicht erforderlichen Reisen nach Italien ab. Pauschalurlauber können kostenlos vom Vertrag zurücktreten. Vielen Kunden mit anderen Destinationen, die aktuell darüber nachdenken, ihre Reisen etwa für den Sommer zu stornieren, rät Damker oft noch davon ab. „Füße stillhalten“, sagt sie. Es könne sein, dass sie auf den Stornokosten sitzenbleiben. Problem ist, dass Gefahren durch das Corona-Virus Kunden nicht pauschal das Recht geben, eine Reise zu stornieren und die Kosten erstattet zu bekommen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) meldet von seinen Mitgliedsunternehmen – Reiseveranstalter und Reisebüros – eine starke Zurückhaltung bei den Buchungen. 15 Prozent der Unternehmen geben in einer Umfrage sogar einen Umsatzrückgang von über 75 Prozent an. Laut DRV kommen immer mehr Kunden in Reisebüros, um sich beraten zu lassen. Auch in Geschäftsreisebüros fallen mehr Stornierungen und Beratungen an, heißt es vom Verband.

Auch Restaurants leiden

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) beklagt gleichermaßen die Welle von Stornierungen. Um 70 Prozent seien die Umsätze eingebrochen, sagt der Präsident des Landesverbands, Michael Schmidt. Es sei eine Kettenreaktion, so Schmidt. Messen würden abgesagt, Hotelbuchungen werden storniert und die Gaststätten bleiben leer.

Die Auswirkungen seien schon jetzt für einige Betriebe existenzbedrohend. Das einbrechende Tagungsgeschäft spürt auch das „Acamed-Resort“-Hotel in Neugattersleben im Salzlandkreis. Im Beisein von Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Wünsch sollte es gestern mit dem „Holiday Check Award 2020“ als beliebtestes Hotel im Land auf dem Internetportal ausgezeichnet werden.

Verluste für Tagungshotels

Doch der Termin wurde abgesagt – wegen Corona. „Die Krise ist für uns definitiv spürbar, wir haben viele Stornierungen im Businessbereich. Tagungen wurden bis Endes des ersten Halbjahres abgesagt“, sagt Geschäftsführer Frank Wyszkowski. Urlauber hielten hielten meist an ihren Buchungen fest. „Aber auch sie haben Angst“, sagt Wyszkowski.

Das Hotel mit jährlich sonst 35.000 Gästen tut, was es kann, um Sorgen zu nehmen: „Es gibt Desinfektionsmittelspender in den Räumen, wir haben Tischabstände vergrößert, es gibt genaue Desinfektionspläne für alle Türklinken und -flächen.“ Wysz-kowski glaubt, dass Corona seiner Branche auch Chancen bringen kann. „Viele Gäste erzählen uns, dass sie Auslandsreisen im Sommer stornieren wollen und lieber in Deutschland bleiben, das könnte am Ende auch uns zugute kommen.“ Bis es so weit ist, wünscht sich der Hoteldirektor staatliche Hilfen.

Kurzarbeitergeld

Bislang bekämen vor allem Messeveranstalter und Hoteliers die Auswirkungen der Corona-Ausbreitung zu spüren, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) in dieser Woche zum Thema. Der Minister kündigte an, für Unternehmen der Reise- und anderer Branchen bis zu 400 Millionen Euro Hilfsgelder bereitzustellen.

Die Folgen der Auftragseinbrüche infolge der Corona-Krise bekommen auch die Arbeitsagenturen zu spüren. Es gebe verstärkt Anfragen aus der Tourismus- und Messebaubranche zur Zahlung von Kurzarbeitergeld, erklärt der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Markus Behrens.