Magdeburg l Betrug lässt sich nicht verhindern. Das ist offensichtlich bei der angekündigten Ausgabe von FFP2-Masken ab Montag (14. Dezember). Der Plan: Wer zur Risikogruppe gehört, soll an Apotheken kostenlos drei Schutzmasken ausgehändigt bekommen. Weil es dabei aber keine zentrale Registrierung gibt, kann niemand unterbinden, dass Betroffene Masken an mehreren Apotheken abgreifen.

Ein Problem. Aber vielerorts nicht die Hauptsorge der Apotheker zur geplanten Maskenvergabe. Sie erwarten einen Ansturm auf ihre Geschäfte ab Montag. Es drohen Warteschlangen, also Menschenansammlungen. Und das gut eine Woche vor Weihnachten.

Damit die Risikogruppen sicher Schutzmasken erhalten, treffen viele Apotheker derzeit Vorkehrungen. Alfred Schmidt, Inhaber der Roland-Apotheke in Haldensleben, plant einen Ausgabestand draußen vor seinem Verkaufsraum. „Ich rechne mit einem Riesenandrang“, betont der Apotheker. Er habe 60.000 FFP2-Masken bestellt. Schmidt erwartet, dass nicht alle Risikopatienten ihre Masken persönlich abholen wollen und stattdessen Verwandte oder Freunde schicken. Rigorose Nachweiskontrollen soll es bei ihm nicht geben. Schmidt hofft wie auch viele andere Apotheker auf die Ehrlichkeit seiner Kunden.

Ebenso ist es im Entwurf der geplanten neuen Schutzmaskenverordnung auch vorgesehen. Demnach sind Apotheker lediglich dazu angehalten, sich den Personalausweis vorlegen zu lassen, bevor sie drei kostenlose Masken ausgeben. Wer aber aufgrund von Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes zur Risikogruppe gehört, muss das „durch Eigenauskunft nachvollziehbar darlegen“ können, heißt es in dem Gesetzentwurf zur neuen Verordnung, die Montag in Kraft treten soll.

81 Millionen kostenlose Masken

Ob am 14. Dezember schon alle Apotheken die Masken verteilen können, ist nicht klar. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekenkammer Sachsen-Anhalt, spricht von einer „logistischen Herausforderung“. In ganz Deutschland sind rund 27 Millionen Menschen dazu berechtigt, kostenlose Schutzmasken zu erhalten. Jeder soll mit der neuen Verordnung in diesem Winter insgesamt 15 Stück bekommen.

Die drei kostenlosen Masken gibt es bis zum 31. Dezember. Ab Januar sollen Berechtigte der Risikogruppen dann mit Coupons von Krankenkassen zwei weitere Pakete mit jeweils sechs FFP2-Masken in den Apotheken bekommen können. Allerdings sind dann zwei Euro pro Sechserpack zu zahlen. Weil Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch vor Weihnachten mit der Ausgabe habe beginnen wollen, habe man sich für dieses gestufte Verfahren entschieden, heißt es vom Gesundheitsministerium.

Susanne Bormann, Apothekerin in Blankenburg im Harz, hat Verständnis für die Probleme der kurzfristigen Maskenausgabe. Es sei in so kurzer Zeit organisatorisch kaum möglich, genau festzuhalten, wer schon Masken bekommen habe und wer nicht. Dabei verweist sie auf Zahlen. So seien in Blankenburg sieben Apotheken für die Ausgabe an rund 7000 Menschen verantwortlich. Damit die Verteilung klappt, rät sie Kunden, die Stammapotheke aufzusuchen und das Hamstern zu unterlassen.

Nachdrücklich rufen einige Apotheker im Land Kunden dazu auf, nicht sofort am Dienstag zur Maskenausgabe zu kommen. Dann erwarten sie den größten Andrang. Einige, wie etwa Apotheker Jens Prantz aus Dessau-Roßlau, wollen zuerst bedürftige Stammkunden versorgen. „Wir müssen lange Schlangen und Chaos vermeiden“, betont er.