Magdeburg l Die Entscheidung der EU-Arzneimittelprüfer wird acht Tage eher fallen als geplant. Dann muss noch die EU-Kommission zustimmen. Das gilt als Formsache. Dann könnten Massenimpfungen in Deutschland und der gesamten EU beginnen. Es würden keine Abstriche bei den Sicherheits-Standards gemacht, betonte die EU-Arzneimittelbehörde gegenüber dpa: „Eine Markt-Zulassung stellt sicher, dass Covid-19-Impfstoffe dieselben hohen EU-Standards erfüllen, die für alle Impfstoffe und Medikamente gelten.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, die Zulassung des Corona-Impfstoffes noch vor Weihnachten sei „eine gute Nachricht für die Europäische Union“. Ziel sei es, in Deutschland noch vor dem Jahreswechsel mit dem Impfen zu beginnen. Eine Kurzfassung über die Impfreihenfolge gibt es im Video.

Bis Ende Sommer 60 Prozent geimpft?

Spahn schätzt, dass bis Ende Sommer 2021 rund 60 Prozent der Bürger in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft sein könnten. Mit der dafür nötigen Zahl an Impfdosen könne gerechnet werden, sagte der Minister im ZDF.

Sachsen-Anhalt bereitet sich mit insgesamt 14 Impfzentren auf die Immunisierungsaktion vor. Sie wurden in den elf Landkreisen sowie in den kreisfreien Städten Magdeburg, Halle und Dessau eingerichtet. Besonders wichtig sind die 30 mobilen Impfteams: Sie sind für den Einsatz in Alten- und Pflegeheimen vorgesehen. Die Impfungen dort haben in der ersten Phase Priorität.

Auch weil der Impfstoff zunächst knapp sein wird – anstelle der ursprünglich versprochenen 130. 000 Dosen erhält Sachsen-Anhalt nur 13. 000. Daran ändert auch ein früherer Zulassungtermin nichts. Das Land warte weiter auf „Signale der Zuteilung durch den Bund“, hieß es gestern aus dem Gesundheitsministerium: „Ein genauer Termin wurde nicht benannt.“

100 Ärzte im Ruhestand verstärken Impfteams

Zudem müsse abgewartet werden, wie groß die Tranche letztlich wirklich sei und wann sie tatsächlich Sachsen-Anhalt erreiche. Eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sei sicher noch nicht im ersten Quartal 2021 zu erreichen.

In sachsen-anhaltischen Impfzentren könnte es losgehen: „600 Ärzte im Land haben sich frei zur Mitarbeit in den Impfzentren bereit erklärt“, sagt Mathias Tronnier, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes. Hinzu kämen noch 100 Ärzte im Ruhestand, die an der Impfaktion mitwirken wollten.

Der Einsatz nach entsprechenden Dienstplänen werde in den Kreisen und Kommunen organisiert, so Tronnier. Hierbei könne an überwiegend gute Erfahrungen beim Aufbau der Fieberambulanzen und Abstrichzentren in ganz Sachsen-Anhalt zurückgegriffen werden.

Derweil warnte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), vor einer verschärften Corona-Lage trotz des Lockdowns. „Wir haben aktuell einen Höchststand an Infizierten und da schwere Verläufe und Todesfälle immer erst mit einem gewissen Zeitverzug eintreten, müssen wir uns darauf einstellen, dass sich die Situation über Weihnachten auch noch zuspitzen wird“, sagte Wieler gestern in Berlin.

Er appellierte an alle, die Kontakte auf das Nötigste einzuschränken. Er selbst werde die von Bund und Ländern beschlossene Höchstzahl der über Weihnachten möglichen Kontakte nicht ausnutzen und „bleibe ganz bewusst darunter“. Bislang seien im Dezember pro Tag zwischen 12. 000 und 29 .000 neue Fälle ans RKI übermittelt worden, „das sind deutlich mehr als noch im November“, so der RKI-Chef. „Die Lage ist so ernst, wie sie noch nie war in dieser Pandemie.“

FDP will Impf-Prioritäten im Bundestag regeln

Unterdessen befeuert die FDP die Debatte über die Impf-Prioritäten. Parteichef Christian Lindner forderte gestern in Berlin ein Entscheidungsrecht des Bundestags darüber, nach welcher Reihenfolge die Bevölkerungsgruppen gegen Corona geimpft werden sollen.

„Hier geht es am Ende um eine Frage, die im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheidet.“ Lindner: „Eine so eminent wichtige Frage sollte nicht allein nur von der Regierung entschieden werden.“ Vielmehr müsse der Bundestag entscheiden, „damit diese für unsere Gesellschaft so wichtige Frage mit der größtmöglichen Legitimation beantwortet wird.“