Magdeburg l Frank Thiel verlässt eine Lidl-Filiale im Magdeburger Norden mit einem prall gefüllten Einkaufswagen. Mehrere Sechserpaletten Soft-Getränke hat er darin gestapelt. Will er vorsorgen? „Unsinn, ganz normaler Einkauf“, wiegelt der Tangerhütter ab. Einen Lebensmittelvorrat – den habe er immer zu Hause. Von der grassierenden Corona-Panik wolle er sich bestimmt nicht anstecken lassen, sagt er.

Viele Konsumenten sehen das etwas anders. In Deutschland führt das sich ausbreitende Corona-Virus verstärkt zu Hamsterkäufen. Das Nürnberger Forschungsinstitut GfK ermittelte vor Tagen einen Anstieg der Verkaufsumsätze bei Fertigsuppen um 112 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Bei Nudeln betrug der Anstieg im Lebensmitteleinzelhandel 73 Prozent.

Auch in Sachsen-Anhalt sind leergeräumte Regale keine Seltenheit mehr. In einer Edeka-Filiale in Barleben (Landkreis Börde) ist eine Mitarbeiterin am Dienstagnachmittag damit beschäftigt, Nudelpackungen nachzulegen. Seit der vergangenen Woche sei das ein gewohntes Bild, sagt Filialleiterin Birgit Herzig. Toilettenpapier, Konserven, haltbare Lebensmittel würden verstärkt nachgefragt, sagt sie. Einen Engpass gebe es in der Edeka-Filiale allerdings nicht.

Auch in einer Magdeburger Filiale des Drogeriekonzerns dm muss bei Toilettenpapier, Hygiene-Artikeln oder Desinfektionsmitteln häufiger als üblich nachgelegt werden. Desinfektionssprays können neuerdings direkt an der Kasse eingepackt werden. Die Nachfrage sei groß, sagt Filialleiter Mirko Bade. Im Moment müsse mehr nachbestellt werden, Probleme gebe es dabei nicht.

Aldi Nord verzeichnet zeitweise vergriffene Artikel, „weitreichende Lieferengpässe“ schließe man derzeit aus, heißt es von der Pressestelle. Aldi stehe in engem Kontakt zu den Lieferanten, um kurzfristig auf Veränderungen der Nachfrage eingehen zu können. Ähnlich äußern sich Lidl und Kaufland.

Am Montag noch hatten Verbraucher bei Aldi Süd und Nord eine nach Unternehmensangaben bereits seit Monaten geplante Sonderaktion genutzt, um Desinfektionsmittel zu kaufen. In einigen Filialen führte das zu Schlangen.

Auch der Handelsverband Deutschland sieht noch keine Engpässe. Die Hamsterkäufe der vergangenen Tage haben unterdessen Folgen für die Versorgung mit Lebensmitteln bei den Tafeln. „Mehrere Tafeln im Land spüren bereits die Auswirkungen“, sagt der Landesvorsitzende der Tafeln in Sachsen-Anhalt, Andreas Steppuhn. Es gebe phasenweise erkennbar weniger Lebensmittelspenden durch Supermärkte und Discounter. Wenn in den Märkten die Nachfrage nach bestimmten Produkten steige, würden diese weniger gespendet, so Steppuhn. Grundsätzlich seien auch die Tafeln im Land angehalten, besondere Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Sie könnten deshalb derzeit verstärkt Desinfektionsmittel gebrauchen.