Möckern l Es ist Dienstagabend gegen 19 Uhr als ein polnischer Lkw-Fahrer seinen Sattelzug auf dem Parkplatz „Wüstenforst“ bei Möckern auf der Autobahn 2 in Fahrtrichtung Berlin abstellt. Nach seinen eigenen Angaben kontrolliert er kurze Zeit später noch einmal die Ladung und geht zwei Stunden später schlafen. Als er am nächsten Morgen die Fahrt fortsetzen will, ist an mehreren Stellen ein Stück der Plane aufgeschlitzt.

Mehr als ein Dutzend Paletten mit 1132 Parfüm-Kartons fehlen. Der Schaden: rund 2,1 Millionen Euro. Die Täter hatten, nach dem sie durch die aufgeschlitzte Lkw-Plane die Ladung ausgekundschaftet haben, die Hecklappe des Aufliegers geöffnet und alle Paletten offenbar auf einen zweiten Transporter oder Lkw umgeladen. Es handelt sich offensichtlich um das Werk von Profis, sind sich die Ermittler sicher. Dafür spreche auch, dass nach dem Umladen der Ware ein Pulverfeuerlöscher von den Tätern im Frachtraum entleert wurde. Dadurch sollten offenbar die Spuren verwischt werden.

Autobahnpolizeisprecher Frank Müller: „Wir haben jetzt die Ermittlungen wegen Bandendiebstahls aufgenommen.“

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Zahlen eigentlich rückläufig

Für die Projektgruppe „Cargo“ im Landeskriminalamt dürfte dieser Diebstahl überraschend sein. LKA-Sprecher Michael Klocke: „Eigentlich sind die Zahlen bisher sehr deutlich um etwa zwei Drittel gesunken.“ Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei im Land noch 737 solcher Fälle mit einem Diebstahlsvolumen von rund vier Millionen Euro. Auch in Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg sind die Zahlen etwa um die Hälfte zurückgegangen.

Der Grund sind die Erfolge bei der Zusammenarbeit der Polizeibehörden der Länder im Cargo-Projekt, das von Magdeburg aus geleitet wird. Im LKA laufen alle Meldungen zu Ladungsdiebstählen auf Bundes- und europäischer Ebene zusammen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden wiederum an die Behörden der Länder und im Ausland weitergeleitet. Hintergrund: Die Speditionsbranche muss durch diese Diebstähle erhebliche Verluste hinnehmen. Bundesweit werden die Schäden jährlichen auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, europaweit sogar auf acht Milliarden Euro.

Den bisher größten Erfolg gegen die gut organisierten Banden, die überwiegend aus Polen stammen, hatte die Polizei Anfang dieses Jahres. Mit 200 Polizisten und Ermittlern hoben Beamte in der polnischen Ortschaft Gorzow die Zentrale einer Bande aus. Sechs Verdächtige aus Warschau und Gorzow wurden auf frischer Tat gestellt. Vier weitere konnten bei den Durchsuchungen festgenommen werden.

Auf frischer Tat ertappt

In eine anderen Fall sitzen vier Polen nach einer Festnahme Ende Oktober 2019 an einem Autobahnrastplatz der A 143 im Saalekreis in Untersuchungshaft. Sie hatten an mehreren Lkw-Planen aufgeschlitzt und bereits Spielzeug in ihren eigenen Lkw umgeladen.

LKA-Sprecher Klocke: „Leider wachsen solche Tätergruppen immer wieder nach.“