Magdeburg l Drei Monate kein Regen. Die seit April andauernde Dürre hat der Agrargesellschaft Siedenlangenbeck im Altmarkkreis Salzwedel mächtig zugesetzt. Zuletzt kam auch noch Pech hinzu: Als die Schauer in der vergangenen Woche endlich kamen, gingen die Felder des 1600 Hektar großen Betriebs nahezu leer aus. „Wir hatten ganze zehn Millimeter pro Quadratmeter“, erzählt Geschäftsführer Christian Schmidt. Das entspricht einer Gießkanne.

Bei dem Zustand, in dem sich die Böden gerade befinden, helfe das kaum. In bis zu einen Meter Tiefe seien die Äcker inzwischen knochentrocken. Die Folge: Ernteausfälle bei Getreide um 50 Prozent. Bei einigen Arten rechnet Schmidt gar mit bis zu 75 Prozent. Angesichts vertrocknender Wiesen wird auch die Futterversorgung der Rinder zum Problem. Der Mischbetrieb hält auch 720 Milchkühe – typisch für die Altmark.

Ernteverluste bis zu 80 Prozent

Die erste Mahd fand noch früh genug statt, da hatten wir Glück, erzählt Schmidt. Er ist zugleich stellvertretender Vorsitzender beim Kreisbauernverband. Der zweite Aufwuchs aber trockne buchstäblich in sich zusammen. „Die Natur steht“, sagt Schmidt. Landesweit geht es Bauern ähnlich. Die Agrargenossenschaft Emden (Bördekreis) musste die erste von drei Weidetierherden in den Stall holen, weil die Tiere auf den Wiesen kaum noch Futter fanden.

Andreas Bonstedt von der Klostergut AH GmbH in Haldensleben meldet Ernteverluste bei Brotroggen von 80 Prozent. Das, was von den Feldern komme, habe wegen des hohen Anteils kleiner Körner häufig eine schlechte Qualität. Der Kreisverband Börde mit mehr als 200 Betrieben sah sich Ende vergangener Woche zur Krisensitzung veranlasst. Herausgekommen ist eine Mitteilung, adressiert auch an die Landespolitik: „Wir haben das nicht verbockt – Klimawandel bringt Wirtschaftszweig ins Wanken“, ist das Papier überschrieben. Darin fordern die Bauern das Land zu weitreichenden Hilfs-Maßnahmen auf.

Der Vorstand drängt etwa auf eine verfrühte Auszahlung der üblicherweise im Dezember fälligen Agrarfördermittel der EU. Damit könnten die Bauern etwa ihre Herbstpachtzahlungen begleichen, sagt Vorsitzender Urban Jülich.

Klimafolgen-Fonds gefordert

Langfristig sollte das Land zudem einen Klimafolgen-Fonds aus EU-Mitteln aufbauen. Im Notfall sollten Bauern daraus unbürokratisch Geld erhalten. Nicht zuletzt wünscht sich Jülich, dass Landwirte eine steuerbefreite Risikorücklage anhäufen dürfen.

Soweit kommt das Land den Bauern allerdings nicht entgegen. Zwar hat das Umweltministerium Maßnahmen vorgestellt. Diese konzentrieren sich aber eher auf günstige Darlehen oder Stundungsangebote für Pachtzahlungen.

Die Bauern kritisieren das als deutlich zu wenig: „Außer Standards haben wir bislang nichts Neues gesehen“, sagt Urban Jülich. Man brauche endlich Antworten, die der Situation angemessen sind, so der Kreisverbands-Chef. „Für manche Betriebe haben die Folgen der Dürre eine existenzielle Bedeutung bekommen.“