Magdeburg l 2017 sind die Feuerwehren in Sachsen-Anhalt allein mehr als 550 Mal ausgerückt, um Krankentransporte als „Tragehilfen“ zu begleiten. Wenn Rettungsdienste es mit zwei Personen nicht schaffen, die Fahrt eines schweren Mann oder einer schweren Frau ins Krankenhaus zu organisieren, werden häufig die Kameraden gerufen. Im Notfall ist das legitim. Doch nach Angaben des SPD-Innenexperten Rüdiger Erben wächst die Zahl geplanter Krankentransporte, zu denen die Feuerwehr gerufen wird, stetig – und für diese Einsätze ist sie nicht zuständig.

„Das kann man weder den Kameraden noch deren Arbeitgebern so länger zumuten“, sagte der Landtagsabgeordnete der Volksstimme. „Die Rettungsleitstellen in den Landkreisen dürfen die Leute nicht mehr so leichtfertig alarmieren.“ Allein im Landkreis Harz rückte die Feuerwehr zur „Tragehilfe“ 2017 insgesamt 112 Mal aus, im Salzlandkreis 110 Mal.

Personalauswahl bei Rettungsdiensten

Kai-Uwe Lohse, Chef des Landesfeuerwehrverbandes, bestätigt das Problem. „Es gibt oft geplante Sachen wie eine Fahrt zur Dialyse und da ist der Einsatz der Feuerwehr völliger Quatsch“, sagte Lohse. „Bei einem Herzinfarkt sieht das natürlich anders aus.“

Der Chef des Landesfeuerwehrverbandes kritisiert vor allem die Personalauswahl der Unternehmen. „Wenn ein Rettungsdienstler selbst 150 Kilo schwer ist, hat der mehr mit sich selbst zu tun als mit anderen. Da müssen die Träger bei den Einstellungen besser hinschauen“, so Lohse.

Ölspuren nach Unfällen

Doch nicht nur die Zahl der „Tragehilfen“ belastet die Kameraden, auch die Beseitigung von Ölspuren nach Unfällen bleibt ein Ärgernis. Normalerweise sind die Behörden dafür zuständig – in der Ortschaft die Gemeinde, außerhalb Landkreis, Land oder Bund. Das Problem: Bis diese reagieren (Bauhof oder Dienstleister), dauert es oft zu lange. Deshalb alarmieren die Rettungsleitstellen häufig die Feuerwehr, um die Gefahr schnell zu beseitigen.

Erben kritisiert diese Praxis und vermutet auch Kostengründe dahinter. Die Feuerwehr besteht aus Ehrenamtlichen, professionelle Entsorgungsfirmen kosten viel Geld. Doch das könne so nicht weitergehen, kritisiert der SPD-Politiker. „Die Kameraden dürfen nicht als billige Hilfstruppe missbraucht werden“, so Erben. „Die Mitarbeiter werden zu oft vom Arbeitsplatz weggerufen, um die Straße zu kehren. Da müssen wir aufpassen, dass wir die Akzeptanz der Arbeitgeber nicht verspielen.“

Würden die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter für ihr Engagement nicht mehr freistellen, könnte das die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren erheblich gefährden.

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