Kindstötung

Eltern ließen kleinen Oskar sterben

Im Fall um das getötete Kind in Wefensleben (Landkreis Börde) hat die Mutter ihr Schweigen gebrochen.

Magdeburg/Wefensleben (dpa) l Im Prozess um den Tod eines Kleinkindes am Magdeburger Landgericht hat die wegen Totschlags angeklagte Mutter am ersten Verhandlungstag ihr Schweigen gebrochen. Ihr Verteidiger verlas am Donnerstag eine Erklärung, zudem machte die Frau selbst Angaben zu ihrem Leben, dem Tod ihres 14 Monate alten Sohnes Oskar am 2. September 2020 und beantwortete auch Fragen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 43-Jährigen und dem 38-jährigen Vater Tötung durch Unterlassen vor. Die beiden Deutschen sollen ihren kleinen Sohn nicht ausreichend versorgt und ihm ärztliche Hilfe verweigert haben, als er schwer krank geworden war.

Die Frau sprach in ihrer Erklärung von Angst vor dem Kindsvater. Deshalb habe sie dessen "selbstverwaltendes, systemfernes Lebensmusters" mitgetragen. Staatliche Institutionen und medizinische Hilfe habe er abgelehnt. Oskars Tod sei "unerwartet" gekommen, aber sie hätte Hilfe holen müssen, hieß es in der Erklärung. Im Haushalt des Paares in Wefensleben (Bördekreis) lebten laut Anklage drei weitere Kinder, die damals drei, sechs und sieben Jahre alt waren.

Der 38 Jahre alte Vater könne laut Gericht aufgrund einer psychischen Erkrankung als schuldunfähig gelten. Im Fall einer Verurteilung wäre eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wahrscheinlich. Er wurde zum Prozessauftakt von mehreren Männern gefesselt in den Gerichtssaal getragen und sprach wirr. Das Gericht hat allgemein hohe Sicherheitsvorkehrungen angeordnet.