Magdeburg l Ob Eishändler oder mobiler Essensanbieter: Viele Gewerbetreibende aus dieser Branche würden ihre Waren künftig gern auf Lastenfahrrädern in die Stadt und zum Kunden bringen. Doch die Ware muss die richtige Temperatur behalten, und das schaffen die Akkus der E-Fahhräder bislang nicht. Zudem mangelt es an Sicherheit: Trägt ein Lieferant seine Ware in den dritten Stock, darf am Fahrrad unten auf der Straße natürlich nichts wegkommen.

„Es gibt zwar schon etliche Lastenfahrräder, aber sie wurden an den Anforderungen des Gewerbes vorbeigebaut“, sagt Professor Hartmut Zadek. Er leitet an der Uni Magdeburg den Lehrstuhl Logistik und zudem eine der neuen Ideen-Brutkästen, wie die Uni diese Gründerwerkstätten nennt. Der Name „IP-LogMo“ steht für „Intelligente Prototypen für Logistik und Mobilität“. Montag wurde sie offiziell eröffnet. Dort tüfteln nun Studenten und Wissenschaftler in einem ersten Projekt an einem neuen Lastenfahrrad. Zündet die Sache, könnte sich daraus eine neue Firma entwickeln. Nächstes Jahr folgt ein nächstes Projekt: ein „Follow me“; ein Lieferroboter, der Sperriges aus dem Bau- oder Möbelmarkt nach Hause bringt.

Viele Ideen, keine MIttel

Dabei wird nicht nur gerechnet und entworfen. Hier werden Rohre und Bleche gebogen, Profile geschliffen, geschweißt und geschraubt. Dazu wurden Maschinen angeschafft. Nun ist es auch möglich, Fahrzeugrahmen zu bauen.

Viele Studenten haben zwar pfiffige Ideen - hätten aber niemals die Mittel, um sich solch einen Maschinen- und Materialpark zu leisten. Für einen Prototypen gehen schnell 10.000 Euro drauf. Daher öffnet das Land seine Schatulle. Die Logistik-Werkstatt erhielt für den Maschinenpark 700.000 Euro. Weitere 580.000 Euro gab es für eine weitere Ideen-Schmiede: Dort geht es unter anderem darum, die Arbeit in der Alten- und Krankenpflege zu erleichtern. „So können junge Leute lernen, in die Selbständigkeit zu kommen“, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Ude gestern beim Startschuss. An der Uni Magdeburg gibt es somit jetzt zwölf solcher „Ideen-Brutkästen“ für Existenzgründer.

Der Handlungsdruck ist groß. Denn die Gründerszene ist nirgends so lahm wie in Sachsen-Anhalt. Auf 10.000 Erwerbsfähige kommen hier 60 Gründer. Das ist der magerste Wert in Deutschland. Die meisten Bundesländer haben doppelt so viele. In Sachsen etwa sind es 112. Das wirkt sich auch auf die Anzahl der Firmen aus. Hier kommen 374 Betriebe auf 10.000 Einwohner - in keinem anderen Flächenland ist die so genannte Firmendichte so gering wie hier. Die rote Laterne trägt Sachsen-Anhalt auch bei den Patentanmeldungen und bei den Gewerbeanmeldungen.

Handwerk benötigt Belebung

„Das muss sich ändern“, meint Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD). Daher will er es den Unis erleichtern, aus den Hochschulen heraus neue Firmen zu gründen. Auch das Handwerk hat eine Belebung nötig, da viele Ältere immer schwerer Nachfolger finden. Die seit 2017 aufgelegte Meistergründungsprämie soll helfen, die Firmenlandschaft zu stärken.

Dass aus den Uni-Werkstätten auch neue Existenzen entstehen könne, zeigt das Beispiel Tinkertoys, das an der Uni Magdeburg einst begann. Die Firma entwickelte 3-D-Drucker, mit denen Kinder ihr eigenes Spielzeug herstellen können.

Natürlich wird nicht aus jedem Projekt eine Produkt, „Von 100 Ideen zündet eine“, räumt Zadek ein.

Der Kommentar "Die Kleinen sind wichtig" zum Thema.