Magdeburg/Halle (dpa) l Obwohl sich neun von zehn Deutschen laut einem Bericht der Bundesregierung ein Schulfach "gesunde Ernährung" wünschen, sieht das Land Sachsen-Anhalt dies eher skeptisch. Ein konkretes Schulfach brauche es dafür nicht, betonte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kurz vor dem Tag der gesunden Ernährung (7. März). Die Schulen dürften nicht ständig mit der Forderung nach neuen Fächern überfrachtet werden.

Vielmehr müsse die Kompetenzbildung im Mittelpunkt stehen. Daher würden die Lerninhalte regelmäßig überprüft und den aktuellen Gegebenheiten angepasst.

"Gesundheitliche Bildung, Ernährung sowie ein ressourcenschonender Umgang mit Lebensmitteln spielen schon heute eine wichtige Rolle in den Schulen. Die Thematik wird in allen Schulformen fächerübergreifend in den Unterricht eingebunden", betonte Tullner.

Ähnlich sieht es auch die Projektleiterin der Vernetzungsstelle Kita und Schulverpflegung, Melanie Kahl. Ein eigenes Schulfach sehe sie nur bedingt als sinnvoll an. Etwa im Hauswirtschaftsunterricht an den Sekundarschulen sei die gesunde Ernährung ja Thema. Insgesamt seien Fragen der gesunden Ernährung präsenter als noch vor einigen Jahren.

Auch Trends wie vegetarische oder vegane Lebensweisen leisteten einen Beitrag dazu, sich in der Gesellschaft mit gesunder Ernährung auseinanderzusetzen. "Es sorgt mit dafür, dass ein Bewusstsein entsteht".

Caterer kochten bei der Schul- und Kitaverpflegung zunehmend nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DEG, betonte Kahl. Da habe sich schon viele getan. Doch die Großküchen sind nach ihrer Meinung in einer Zwickmühle. "Wir haben im Land Sachsen-Anhalt beim Schulessen mit durchschnittlich 2,20 Euro den niedrigsten Preis bundesweit." Der Bundesdurchschnitt liege bei 2,94 Euro. "Was man braucht, um DEG-gerecht zu kochen, wäre eine Spanne zwischen 3,14 und 4,24 Euro", sagte sie.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) betonte: "Überproportional viele Menschen in Sachsen-Anhalt haben Übergewicht, zu viele rauchen, die Zahl der Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen ist hoch. Wenn wir die großen Gesundheitsprobleme lösen wollen, ist Prävention ein wichtiger Schlüssel." Kindertagesstätten und Schulen seien dafür wichtige Orte. Kinder könnten dort erfahren, wie gut ihnen Bewegung und vor allem auch gesunde Ernährung tun. Und dass beides auch Spaß machen könne. "Damit das gelingt, brauchen wir gute Konzepte und gut ausgebildete Fachkräfte."