Magdeburg l In Sachsen-Anhalt gehen immer weniger neue Windkraftanlagen ans Netz. Im ersten Halbjahr 2019 wurden lediglich acht neue Anlagen mit einer Leistung von 30 Megawatt (MW) errichtet. Zwischen 2016 und 2018 war die Zahl der zugebauten Windräder schon von 116 auf 11 gesunken. Das geht aus Zahlen des Bundesverbands WindEnergie (BWE) hervor.

Genehmigungsstau und Klageflut

Flaute auch beim Ausbau der Windenergie in Deutschland: Zwischen Januar und Ende Juni 2019 wurden nur 86 Anlagen mit 287 MW installiert – ein Rückgang von 82 Prozent im Vergleich zum schon schwachen Vorjahreszeitraum. BWE-Präsident Hermann Albers kritisierte jüngst Genehmigungsstau und Klageflut und rief die Politik zu einem Windkraft-Gipfel auf. Mittwoch kündigte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an, sich auf einem Krisentreffen mit Branchen-, Landesvertretern und Bürgerinitiativen mit den Problemen zu befassen. Bei dem Treffen gehe es auch darum, wie Ausbauziele bei erneuerbaren Energien erreicht werden könnten. Derzeit liegt der Anteil bei 40 Prozent, Ziel sind 65 Prozent bis 2030.

Ruth Brand-Schock, Vorsitzende des BWE-Landesverbands Sachsen-Anhalt, sieht derweil schwierige Zeiten auf die Branche zukommen. Nicht einmal mehr ein Drittel der beantragten Windräder werde genehmigt, kritisiert sie. Häufig gehe es dabei um Artenschutz. Beispiel: Das Land Sachsen-Anhalt hat scharfe Vorgaben bei der Genehmigung neuer Windräder in Gebieten, in denen etwa der Rotmilan brütet. Hinzu kommt: Die Flächen werden immer knapper. Nur gut ein Prozent der Landesfläche ist Vorrang- oder Eignungsgebiet für Windkraftanlagen, auf 0,7 Prozent der Fläche stehen Altanlagen. Mindestens zwei Prozent der Landesflächen müssten vom Land für den Bau ausgewiesen werden, fordert die BWE-Landesvorsitzende. Ein Ziel, das auch Sachsen-Anhalts Energieministerin Claudia Dalbert (Grüne) für „sinnvoll und machbar“ hält. Kriterien bei der Ausweisung sind etwa Abstandsregelungen zu Ortschaften, Straßen oder Naturschutzgebieten.

Einspeisevergütung endet

Weiteres Problem: Etlichen alten Anlagen droht nach 2020 das Aus. Dann endet nach 20 Jahren die Einspeisevergütung auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Fraglich ist in vielen Fällen, ob der Weiterbetrieb der Anlagen noch rentabel ist. Ab 2022 werde die Zahl der Windanlagen in Sachsen-Anhalt sukzessive sinken, prognostiziert Brand-Schock.

Repowering für alte Anlagen

Eine Chance liegt im sogenannten Repowering. Ältere Anlagen werden durch modernere, leistungsfähigere ersetzt. Beispiel: Re-Wind. In Schackensleben (Landkreis Börde) hat das Unternehmen sechs Windräder erworben, deren Einspeisevergütung noch bis 2022 läuft. Ein Vorteil: Die Anlagen haben in der Regel bereits eine höhere Akzeptanz bei der Bevölkerung als bei gänzlich neuen Projekten. Anstatt Windparks zu schließen, wolle man sie mit lokalen Partnern nachhaltig weiterbetreiben, sagt Re-Wind-Geschäftsführer Lars Meyer.

In Sachsen-Anhalt sind insgesamt rund 2900 Windenergieanlagen mit 5000 MW am Netz.