Magdeburg l Es gibt Deutschlehrer, Musiklehrer, Vertrauenslehrer – aber was in aller Welt sind „Glückslehrer“? Möglicherweise mit Blick auf die Personalsituation im Lande diejenigen Pädagogen die tatsächlich unterrichten und deren Schüler dadurch Glück haben, dass kein Unterricht ausfällt?

Weit gefehlt. Tobias Rohde vom Fritz-Schubert-Institut für Persönlichkeitsentwicklung in Heidelberg (Baden-Württemberg) bringt es auf den Punkt: „Die Idee, die dahinter steht, ist, die Antworten auf Fragen: Wie können Menschen mehr Glücksgefühle und eine höhere Lebenszufriedenheit erreichen? Was gehört zu einem erfüllten Leben? Warum kommen einige Menschen mit Krisen besser klar, als andere? was ist seelische Gesundheit?“

Die Weiterbildung „Glück“ beschränkt sich allerdings nicht auf Lehrer an Schulen. Rohde: „Das sieht in anderen Bundesländern allerdings etwas anders aus.“

Das Teilnehmerfeld, das mehr über Vertrauensbildung, Optimismus, Werteorientierung, Selbststeuerung und

Achtsamkeit erfahren wollte, war bunt gemischt. Annette Berger pädagogische Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt zählt auf: „Unter anderem Sozialpädagoginnen, Leiterinnen von Kitas und Kinderhäusern, Erzieherinnen in Wohngruppen, aber natürlich auch Horterzieherinnen, Lehrerinnen und pädagogische Mitarbeiterinnen.“

Instituts-Chef Ernst Fritz-Schubert, der als Wegbereiter des Faches „Glück“ gilt, zur Philosophie seiner Einrichtung: „Schüler brauchen mehr Orientierung und weniger Sachwissen. Gute Kenntnisse in Mathe und Deutsch sind keine Garantie für ein gelingendes Leben.“ Der ehemalige Rektor einer Berufsschule, der 2007 Glück als Fach einführte, fordert einen festen Platz für „Glücks“-Unterricht im Lehrplan aller Schulen.

Die mehr als 600 Lehrer, die bisher ausgebildet wurden, unterrichten inzwischen an rund 100 deutschen und 40 Schulen in Österreich – vereinzelt in der Schweiz und in Italien. In dem Schulfach lernen Kinder aller Altersklassen sich selbst

besser kennen. Sie erfahren, warum sie sich auf ihre Stärken konzentrieren sollten, wie sie mit ihren Schwächen besser umgehen können und warum Werte und Visionen im Leben wichtig sind. Tobias’ Rohde spricht von „Lebensanleitung für das Leben“.

Allerdings: Völlig unumstritten ist die Sache nicht. Der Verband für Bildung und Erziehung sieht „Glücks“-Unterricht, gehalten von „Glücks-Lehrern“ eher skeptisch. Gerhard Brand vom VBE-Bundesvorstand äußerte sich in der Presse dahingehend, dass „Lehrer aller Fächer sollten Gelegenheiten schaffen, die Schülern Hochgefühle ermöglichen. Etwa im Sport oder durch Gemeinschaftserlebnisse“.

Wenn es um das „Glücks“-Fach gehe, treffen er oft auf Misstrauen, sagt Rohde: „Viele Menschen vermuten einen esoterischen Hintergrund (weltanschauliche Bewegung, Strömung, die durch Heranziehung okkultistischer, anthroposophischer, metaphysischer u. a. Lehren und Praktiken auf die Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung des Menschen abzielt). Doch damit hat unser Schulungsangebot rein gar nichts zu tun.“

Isabell Haberland von der Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Bernburg spricht davon, dass die 144 Stunden ihren „Horizont erweitert hat. Ich bin nicht mit supergroßen Erwartungen hergekommen, aber die Weiterbildung hat mich überzeugt.“

Und auch Matthias Dohmeyer vom Kinderhaus Magdeburg nimmt viel mit für die Kinder- und Jugendarbeit, wie er sagt.

Am letzten Seminartag ging es noch einmal hoch her. Die Teilnehmer mussten gemeinsam aus Papier einen Turm bauen – so hoch wie möglich. Anschließend legten sie grüne Karten (wohlgefühlt dabei) oder weiße Kärtchen (nicht wohlgefühlt) in ein Bewertungsraster auf dem Fußboden, das verschieden Kriterien umfasste.

In der Diskussion nach dieser sogenannten erlebnispädagogischen Übung anschließend ging es hoch her.