Dreifacher Schädelbasisbruch / Polizei seit 2010 schon zwölfmal bei der Familie im Einsatz

Ex-Boxweltmeister Robert Stieglitz schlägt seinen Schwiegervater krankenhausreif

Von Matthias Fricke

Der vorläufige Höhepunkt eines von Gewalt geprägten Rosenkriegs: Im Streit mit seinem Schwiegervater hat Ex-Boxweltmeister Robert Stieglitz diesen so schwer verletzt, dass er mit einem dreifachen Schädelbasisbruch in der Klinik liegt. Es gab seit 2010 im Hause Stieglitz schon zwölf Polizeieinsätze.

Magdeburg l Den Scheidungstermin mit Anna Beim-Stieglitz hat der Boxprofi Robert Stieglitz erst am 19. Oktober. Doch der Höhepunkt des Rosenkrieges zwischen beiden war in der Nacht zum Sonnabend erreicht.

Ein Streit mit seinem 56-jährigen Schwiegervater Jacob Beim im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld eskalierte und endete für diesen beinahe tödlich. Noch ist unklar, wie es genau zu der Auseinandesetzung kam. Unstrittig ist aber, dass der Profiboxer seinen Schwiegervater mit einem Vierkantholz derart niederschlug, dass er einen dreifachen Schädelbasisbruch erlitt.

Der 56-Jährige soll heute im Klinikum Magdeburg operiert werden. Sein Zustand ist stabil. Er hat aber einen totalen Gedächtnisverlust. In der Auseinandersetzung wurde auch Beims Ehefrau Brigitte von dem Kantholz getroffen. Sie sagte: "Ich habe mich mit ausgebreiteten Armen zwischen beide gestellt. Dabei schlug er mich. Ich habe einen großen Bluterguss am Oberschenkel."

Gegen den ehemaligen Box-Champion ermittelt nun die Kriminalpolizei wegen gefährlicher Körperverletzung.

Kurz vor dem Abflug zu einem Boxkampf in der Ukraine schilderte Stieglitz die Vorgänge so: "Mein Schwiegervater ist betrunken mit einer Eisenstange auf mich losgegangen, da musste ich mich wehren. Ich habe mir das Kantholz gegriffen, nachdem ich schon mit einem Stein nach ihm geworfen habe. Erst mit dem Holz konnte ich den Angriff abblocken, und ich habe einmal zugeschlagen." Stieglitz hat seinerseits Anzeige gegen seinen Schwiegervater wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung erstattet.

Das ein Meter lange Vierkantholz und die Eisenstange wurden sichergestellt.

Doch was hat zu dem Gewaltausbruch geführt? Stieglitz und seine Schwiegereltern bewohnen ein Doppelhaus in der Großen Diesdorfer Straße. Eigentümer ist der Profiboxer. Er hatte zur Hochzeit im November 2004 die eine Hälfte des Hauses seinen Schwiegeltern vermietet.

Doch seit dem Einreichen der Scheidung 2010 ist alles anders. Robert Stieglitz will per Räumungsklage seine Schwiegereltern und seine dort wohnende Frau aus dem Haus werfen. Für den darin befindlichen Friseursalon seiner Schwiegermutter hat er in dieser Woche schon die Klage gewonnen. Die Beims müssen dort nun ausziehen. Der Profiboxer: "Das war auch der Grund für den Streit mit meinem Schwiegervater."

Diese Auseinandersetzung hält schon lange an. Allein in den vergangenen zwei Jahren gab es zwölf Polizeieinsätze im Hause Stieglitz. Das bestätigte gestern auch Polizeisprecherin Beatrix Mertens. So musste sogar das Sondereinsatzkommando anrücken, weil Stieglitz am 28. Februar dieses Jahres mit einem Luftgewehr auf die Überwachungskameras geschossen hatte, die vom Schwiegervater angeblich zum Schutz vor dem Profiboxer aufgestellt worden waren. Die Waffe konnten die Beamten schließlich in einem Gartenhaus von Stieglitz im Jerichower Land sicherstellen.

Stieglitz räumte den Vorfall ein, versuchte aber zugleich, die Sache herunterzuspielen: "Das war doch nur ein Luftdruckgewehr." Schlimmer seien die Anfeindungen der Schwiegereltern: "Die haben meinen Wagen zerkratzt und die Reifen zerstochen." Außerdem habe der Schwiegervater ihn immer wieder beleidigt. Stieglitz: "Er sagte, du bist doch kein Weltmeister, du Lusche."

Anna Beim-Stieglitz behauptet wiederum: "Vor fünf Wochen hat er meine Auto-Scheiben zerstört." Robert Stieglitz sei zudem in den Friseursalon ihrer Mutter gekommen und habe Anna (sie arbeitet dort als Friseurin) wüst beschimpft. Seine Frau Anna strebt inzwischen eine einstweilige Verfügung gegen den Boxer an, der Abstand von dem gemeinsamen Sohn Oskar (6)halten soll. Anna Beim-Stieglitz: "Mein Sohn und ich haben Angst."