Ilsenburg l Dem heftigen Donnerwetter folgte das reinigende Gewitter: So lässt sich die Entwicklung rund um die Werbekampagne für die Feuerwehren im Land wohl am treffendsten auf den Punkt bringen. Nachdem jüngst an einigen vom Innenministerium präsentierten Sprüchen und Werbeträgern teils heftig artikulierte Kritik aufgekommen war, sind Ressortchef Holger Stahlknecht (CDU) und die Kreisbrandmeister im beschaulichen Harzort Ilsenburg turnusmäßig in Klausur gegangen. Das Fazit aus Sicht von Stahlknecht und Kai-Uwe Lohse, dem Chef des Landesfeuerwehr-Verbandes und in Personalunion Kreisbrandmeisters im Harz: Die Differenzen seien vom Tisch, die weiteren Schritte der Kampagne würden von den Chefs der Feuerwehren mitgetragen.

Vor Ort hatten jüngst Sprüche wie „Hab ich einen Brand. Dann komm‘ doch löschen!“ und „Dein Date ist nicht spritzig genug? Spritzig ist unser zweiter Vorname!“ für Unmut gesorgt. Das sei keine Imagewerbung, um neue Mitglieder anzulocken, sondern diskreditiere die Wehrleute und rücke sie völlig zu unrecht in ein falsches Licht, so die Kritiker. Quasi noch getoppt wurde diese Kritik mit verteilten Bierdeckeln mit der Aufschrift „Feierwehr“.

Nicht entsprechend kommuniziert

Bei dem Material und den formulierten Slogans, betonte Stahlknecht am Freitag in Ilsenburg, habe es sich lediglich um Vorschläge gehandelt. Das sei den Wehrchefs auf Kreisebene vorab auch bekannt gewesen, offenbar vor Ort aber nicht entsprechend kommuniziert worden.

Während der CDU-Politiker selbstkritisch einräumte, dass man „vorher vielleicht hätte noch mehr diskutieren können“, verwahrte er sich zugleich gegen teilweise heftig artikulierte Kritik gegenüber seinen Mitarbeitern. Hier gelte es Mittel und Stil einzuhalten, so Stahlknechts unmissverständlicher Appell.

Teil einer Großkampagne

Die Werbeaktion ist Teil einer Großkampagne, um die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken und Nachwuchs zu gewinnen. Ähnliche Aktionen gebe es in anderen Ländern – Sachsen-Anhalt setze bewusst auf flotte Sprüche und comicartige Darstellungen, um jugendliche Zielgruppen zu erreichen, betonte der Minister. Darin unterscheide man sich von anderen Bundesländern – dort werde beispielsweise verstärkt auf den Heldenstatus der Wehrmitglieder gesetzt.

Schwerpunkte der insgesamt rund 190 000 Euro teuren Kampagne sind neben besagtem Infomaterial unter anderem ein Tag der Feuerwehren – künftig jährlich am letzten Wochenende im Mai – sowie eine unmittelbar bevorstehende Offensive mit Plakatwerbung und zwei Radiospots.

In den öffentlichen Fokus gerückt

Letzteres sei in Ilsenburg mit den Wehrchefs inhaltlich abgestimmt und schließlich einstimmig festgezurrt worden, so Stahlknecht, der die aufgekommene Kritik sportlich nimmt. So habe die jüngste Debatte die Kampagne schon vorfristig in den öffentlichen Fokus gerückt und sogar bei den Kollegen in Nordrhein-Westfalen für Interesse gesorgt.

Kreisbrandmeister und Landesverbandschef Lohse begrüßt das Engagement des Landes. „Ich habe seit 1993 bei der Feuerwehr Leitungsfunktionen inne – seither ist das die erste Landesregierung, die ein derartiges Werbeprogramm auflegt.“ Aus gutem Grund: Jährlich verlieren die aktuell rund 35 000 Mitglieder der freiwilligen Wehren rund 1000 Mitglieder. Hier wollen Lohse, Stahlknecht und alle anderen Macher ansetzen: „Wir sind zur Ich-Gesellschaft geworden und müssen wieder stärker zur Wir-Gesellschaft werden“, bringt es der Ressortchef auf den Punkt.

Gleichwohl strebt die Linke mit Blick auf die Kampagne in der nächsten Landtagssitzung eine Korrektur an – neue Werbemittel müssten her, so die Forderung. Womöglich ist das nicht mehr nötig. Kai-Uwe Lohse, der die Aktion jüngst noch mit einem „Griff ins Klo“ verglichen hatte, spricht nun von einem reinigenden Bad, das alle Beteiligten genommen hätten.

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