Haldensleben/Wernigerode l Wann immer Jugendliche in Haldensleben nach ihren Freizeitwünschen befragt werden, steht einer ganz oben: Kino. Denn das gibt es als feste Einrichtung in der Kreisstadt schon lange nicht mehr. Immerhin einmal im Monat bietet die Kulturfabrik einen Filmabend an – allerdings vorrangig mit Filmen für Erwachsene.

In dieses Angebot haben sich nun auch vier Gymnasiasten eingeklinkt. Die Neunt- und Zehntklässler sind bei einer Medienwerkstatt auf die Idee für ein Jugendkino gekommen. „Es ist für uns schwierig, beispielsweise nach Magdeburg ins Kino zu kommen. Dass wir abends allein mit dem Zug fahren, das wolllen unsere Eltern nicht. Darum wollen wir hier in Haldensleben diese Freizeitmöglichkeiten für Gleichaltrige schaffen“, nennt Aimee Sophie Böttcher die Motivation, die hinter dem Projekt steht.

Snacktüte statt Ticket

Seit März beschäftigen sich Aimee und ihre Mitstreiter Lilly Voigt, Dominik Fricke und Luca Koch intensiv mit dem Vorhaben. „CineSnack“ nennen sie es. Die Idee dahinter: Filme gucken ohne Kinokarte, aber dafür mit leckeren Snacks. Das heißt, für den Eintrittspreis von drei Euro gibt es für die Besucher statt einer Kinokarte eine Snacktüte. Das gehöre zum Filmerlebnis einfach dazu, sind die Macher überzeugt.

Dafür allerdings haben sie so manche Hürde zu meistern gehabt. Fluchtwege, Brandschutz und Hygeniebestimmungen, die GEMA – an alles mussten sie denken. Unterstützung bekommt das Quartett, das auch bei den Haldensleber Kinder- und Jugendpolitikern aktiv mitarbeitet, von der Kulturfabrik als Veranstaltungsort und vom Verein KulturHeimat, der sich um die finanziellen Belange des Projekts kümmert. Denn Filme öffentlich zu zeigen, kostet Geld – Lizenzgebühren. Und da gebe es immer wieder Fallstricke, meint Samira Riegraf, Schulsozialarbeiterin des Professor-Friedrich-Förster-Gymnasiums. Sie unterstützt das Projekt und berät die Schüler nach Kräften.

Auch wenn Streamingdienste wie Netflix und Amazon prime den Kinos zunehmend Konkurrenz machen: Die Lust auf den gemeinsamen Kinoabend ist auch heute noch aktuell. Und das nicht nur in Haldensleben. Erst Ende September fand Sachsen-Anhalts jüngste Kino-Neueröffnung statt. In Wernigerode laden jetzt nach zwei Jahren Umbauarbeiten die „Volkslichtspiele“ wieder ein. Drei Kinosäle – vollklimatisiert und barrierefrei: der größte mit 170 Plätzen, der zweite – das Wohnzimmer – mit 40 Plätzen und als besondere Attraktion ein 5-D-Effekt-Kino mit neun Sitzplätzen. Dazu Gastronomiebereich, Toiletten und ein Veranstaltungsraum.

Weitere Aktionen geplant

Möglich gemacht hat das in Wernigerode die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft. Das städtische Unternehmen ist Eigentümer und hat das denkmalgeschützte Gebäude aufwendig modernisieren lassen. Kinopächter Andreas Adelsberger will dort nicht nur mit einem eigens für die Harzstadt zusammengestellten Filmprogramm punkten. „Wir gestalten eine Schulkinowoche, Sondervorstellungen zum Schokoladenfestival ,ChocolArt‘, kooperieren mit Schulen und Hotels und wollen eine Veranstaltungsreihe Kulturkino anbieten“, erzählt er.

Ein wenig kann der Pächter der Wernigeröder Volkslichtspiele froh sein, erst im Herbst eröffnet zu haben. Denn insgesamt verlief 2018 bislang wenig erfreulich aus Sicht von Kinobetreibern.

Nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) sank in der ersten Jahreshälfte die Anzahl der verkauften Tickets um 15,2 Prozent auf bundesweit 51 Millionen. Schuld daran war zum einen der Mangel an echten Blockbuster-Filmproduktionen, die Millionen ins Kino locken, aber auch der heiße, trockene Sommer, der wenig Lust auf Kino machte.

Tragikkomödie zum Start

Den Haldensleber „CineSnack“-Schülern kann das egal sein. Sie starten am 27. November durch mit der ersten Premiere. Am Dienstag, 27. November 2018, zeigt das Schüler-Kino um 16 Uhr in der Kulturfabrik „Dieses bescheuerte Herz“ – eine Tragikkomödie um das Entstehen einer Freundschaft zwischen einem sorglosen Lebemann aus reicher Familie und einem todkranken Teenager.

„Wir wünschen uns, dass nicht nur Jugendliche von unserer Schule, sondern auch von anderen Schulen zu uns ins Kino kommen“, hofft Aimee auf entsprechenden Zulauf – und auch auf weitere Mitstreiter. Schließlich, so macht sie deutlich, soll „CineSnack – Jugend macht Kino“ eine feste Größe in Haldensleben werden.