Halle (dpa) l Das Landgericht Halle zieht Konsequenzen aus der Flucht eines 33-jährigen Untersuchungshäftlings, der noch immer nicht gefasst ist. Das Sicherheitskonzept für das Gebäude soll überarbeitet werden, schreibt die "Mitteldeutsche Zeitung" (Donnerstag). Künftig solle es Verteidigern nicht mehr möglich sein, mit ihren Mandanten auf den Fluren zu sprechen, sagte Landgerichtspräsident Jörg Engelhard der Zeitung. Entweder sollen den Beschuldigten Fußfesseln angelegt werden, oder die Gespräche sollen im Saal stattfinden, wenn zwei Wachtmeister die Tür bewachten.

Bei einem solchen Gespräch war dem 33 Jahre alten Untersuchungshäftling am Dienstag die Flucht aus dem Gericht gelungen - mit Handschellen. Er sei durch ein Nebentreppenhaus gerannt und durch eine unverschlossene Tür ins Freie gelangt, sagte der Gerichtspräsident. "Die Tür war nicht verschlossen, weil sie Teil des Fluchtwegkonzepts war", erklärte Engelhard. Das müsse es wie in allen anderen öffentlichen Gebäuden auch im Landgericht geben. Es geht dabei darum, dass zum Beispiel im Fall eines Brandes das Gebäude schnell verlassen werden kann.

Handschellen wurden entdeckt

Die beiden Wachtmeister, zwischen 50 und 60 Jahre alt, hätten den Häftling nicht mehr fassen können, sagte der Gerichtspräsident. In einer Einkaufspassage wurden wenig später Handschellen und ein T-Shirt aus der JVA entdeckt.

Die Flucht des 33-jährigen Deutschen, der unter anderem wegen Diebstahls vor Gericht stand, soll am Freitag im Rechtsausschuss des Landtags besprochen werden. Das sagte der Grünen-Abgeordnete Sebastian Striegel der Zeitung.

Der noch immer Gesuchte war nach Angaben der Zeitung vor elf Jahren schon einmal geflüchtet – damals aus einem Gefängnis.