Magdeburg l Jürgen Mannke, Chef des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, hat mit einem Artikel in einer Verbandszeitschrift für Empörung gesorgt. Mannke beklagt, Deutschland werde von einer „Immigranteninvasion überschwappt“. Er warnt vor sexuellen Übergriffen durch muslimische Männer auf Frauen und Kinder. Mannke schreibt: „Als verantwortungsvolle Pädagogen stellen wir uns die Frage: Wie können wir unsere jungen Mädchen im Alter ab 12 Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen?“

Schon jetzt gebe es „sexuelle Belästigungen im täglichen Leben, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten.“ Viele der Männer kämen „nicht immer mit den ehrlichsten Absichten“, so Mannke, der Schulleiter des Goethe-Gymnasiums in Weißenfels ist. Es sei „nur ganz natürlich, dass diese jungen, oft auch ungebildeten Männer auch ein Bedürfnis nach Sexualität haben“, schreibt er. Vor dem Hintergrund ihrer Vorstellungen von der Rolle der Frau „in ihren muslimischen Kulturen“ bleibe die Frage, wie sie, „ohne mit den Normen unserer Gesellschaft in Konflikt zu geraten“ ihre Sexualität in Deutschland ausleben könnten.

Striegel: "Das ist kulturrassistisch"

Auf Nachfrage der Volksstimme distanzierte sich der Deutschlehrer nicht von seinen Äußerungen. „Dazu stehe ich. In einer Demokratie muss man auch Meinungen aushalten, die nicht besonders bequem sind“, sagte er. „Mit den Rechten will ich nichts zu tun haben“, so Jürgen Mannke. „Ich würde den Artikel wieder so schreiben. In der Bevölkerung nimmt man das so wahr. Es ist die Wahrheit.“

Sebastian Striegel, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, wurde einst selbst von Mannke in Geschichte unterrichtet. Der Volksstimme sagte der Grünen-Politiker: „Ich bin entsetzt.“ Der Text sei peinlich, Mannke benutze die „Sprache der neuen Rechten“. „Als Lehrer hat er früher im Unterricht oft kluge Dinge gesagt. Doch die Behauptung, muslimische Männer hätten ihre Sexualität nicht im Griff, ist nichts anderes als kulturrassistisch“, so Striegel.

Bull: "Ich bin fassungslos"

Ähnlich bewertet das auch Linken-Landesvorsitzende Birke Bull: „Ich bin fassungslos.“ Sie erwarte von Menschen, die täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, eine „viel differenziertere Bewertung“. Mannke bediene mit dem Artikel leider nur „fremdenfeindliche Vorurteile.“

Corinna Reinecke (SPD) sagte: „Ich war erschrocken, als ich den Beitrag gelesen habe. Das ist harter Tobak. Das geht gar nicht. Es werden latente Ängste bedient.“ Der Philologenverband müsse jetzt entscheiden, wie er mit der Situation umgehe.

Hardy Peter Güssau (CDU) ging auf Distanz zu Mannke, der auch CDU-Mitglied ist. Dessen Wortwahl sei „sehr martialisch und sehr unglücklich“, sagte Güssau. Über mögliche Konsequenzen müsse der Verband befinden.