Magdeburg (dpa) l Was tun, wenn das letzte Gasthaus im Ort schon lange geschlossen ist und der Einkaufsmarkt fehlt? Selbst einen eröffnen. Dorfbewohner und Vereine können sich für den Aufbau eines neuen zentralen Treffpunkts samt Einkaufsmöglichkeit finanzielle Unterstützung vom Land holen. In Sachsen-Anhalt ist ein Modellprogramm für Dorfgemeinschaftsläden gestartet. Dabei können sowohl Machbarkeitsstudien für den jeweiligen Ort als auch konkrete Bau- oder Erweiterungsprojekte gefördert werden, wie das Umweltministerium mitteilte. Die Bewerbungen können bis zum 3. Mai eingereicht werden.

"Ein zentraler Treffpunkt, an dem alltägliche Besorgungen gemacht werden können, Menschen sich begegnen und gegenseitig unterstützen, stärkt die dörfliche Gemeinschaft und damit das Leben im ländlichen Raum", erklärte Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) die Idee.

Die Frage, wie das Leben fern der Großstädte angesichts alternder und schrumpfender Bevölkerung attraktiver werden kann, wird gerade hoch und runter diskutiert. Eine Kommission der Bundesregierung will im Sommer erste Vorschläge machen, wie gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Ost und West sowie Stadt und Land unterstützt werden können.

Das neue Modellprogramm will schon eine Antwort darauf sein. Vorbild ist eine Genossenschaft in Deersheim im Kreis Harz, wo die Bewohner mit ehrenamtlichen Einsatz und Fördergeld aus einem Bundesprogramm seit mehr als zwei Jahren einen solchen kombinierten Dorfladen betreiben. Dort beherbergt eine umgebaute Scheune einen Einkaufsmarkt, eine Nähstube und ein Café. Also genau die Kombination aus Lebensmittelversorgung, Dienstleistung und Treffpunkt, die mit den Landesmitteln gefördert werden soll.

Bedingung: Die Orte dürfen nicht mehr als 2500 Einwohner haben, die Bewohner helfen selbst ehrenamtlich beim Betrieb mit und das Projekt tritt nicht in Konkurrenz mit existierenden Angeboten. In diesem Jahr stehen zunächst 300.000 Euro zur Verfügung, danach soll der Fördertopf aufgestockt werden.

Welches Konzept vom Land gefördert wird, entscheidet ein Auswahlgremium, wie das Ministerium weiter mitteilte. Entscheidend seien dabei belastbare Betriebskonzepte, ein möglichst großer Unterstützerkreis vor Ort oder auch das Angebot regionaler Produkte im Laden.