Magdeburg l In wenigen Klicks zum Herrscher über die Himmelsscheibe von Nebra werden – das Versprechen klingt verlockend, anscheinend aber zieht es kaum Nutzer an. Nach Volksstimme-Informationen hat die App „Der bronzene Himmel“ bisher nicht einmal 500 Downloads erzielt. Mit der App können Kinder und Erwachsene die Niederlegung der Himmelsscheibe und das Leben in der Bronzezeit virtuell nacherleben, gepaart mit einem Strategiespiel.

Entwickelt wurde die App vom Hallenser Unternehmen „MotionWorks“. Das Projekt wurde vom Land mit 130.000 und von der Mitteldeutschen Medienförderung mit 170.000 Euro großzügig gefördert. 300.000 Euro also für einen App-Flop? „Dieses Beispiel einer Landesförderung zeigt, wie viel Geld im Landeshaushalt für die Spielwiesen der einzelnen Ressorts zur Verfügung stehen“, sagte Ralf Seibicke, Vorstandsmitglied beim Bund der Steuerzahler. Die Höhe der Förderung sei übertrieben, das Projekt kritikwürdig.

Lieber Standort-Stärkung als Downloadzahlen

Die genaue Zahl der Downloads wollte „MotionWorks“ auf Nachfrage nicht nennen. Dem Land liegen trotz stattlicher Fördersumme keine Nutzerzahlen vor. Mehr noch: Eine Nachfrage zur Nutzerstatistik sei auch nicht geplant, erklärte Daniel Mouratidis, stellvertretender Regierungssprecher. Lediglich nach Abschluss des Projekts – so sieht es die Richtlinie „Digital Creativity“ vor – muss ein Projektbericht vorliegen. Mitte 2020 also. „Das Ziel der Landesförderung war nicht in erster Linie eine möglichst hohe Zahl der Downloads“, so Mouratidis. „Vielmehr stehen die Stärkung des Medienstandortes Sachsen-Anhalts und die Nachwuchsentwicklung im Fokus.“ Dass bereits ein Film auf Grundlage der App geplant sei und diese im Landesmusuem für Vorgeschichte auf großes Interesse stoße, seien positive Signale.

Auch das Landesamt für Denkmalpflege unterstützte das App-Projekt „in inhaltlicher und fachlicher Weise“, erklärte Sprecher Georg Schafferer. Die App erreiche auf neuen, digitalen Wegen junge und ältere Nutzer.

Nachhaltigkeit und Erfolg im Fokus

Eine Förderung von jungen Talenten der Medien- und Designstudiengänge kann auch Seibicke nachvollziehen. Harte Erfolgskritierien sowie Nachhaltigkeitskriterien müssten einer Förderung jedoch zu Grunde gelegt werden. „Dies ist hier offensichtlich bewusst nicht der Fall und nicht gewollt“, so Seibicke.

Die App „Der bronzene Himmel“ kann seit 1. März 2019 für 2,99 Euro heruntergeladen werden.