Inklusion – Was ist das?

Der Begriff stammt vom lateinischen Verb includere und heißt: „einschließen“. Bezogen auf die Bildung bedeutet Inklusion: Alle Kinder lernen gemeinsam in einer Schule, unabhängig davon, ob sie beeinträchtigt sind oder nicht. Mit Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland 2009 zur Umsetzung der Inklusion verpflichtet. Das Konzept verlangt freien Zugang zu allgemeinbildenden Schulen für alle Menschen. Umstritten ist, ob Förderschulen der Vorgabe gerecht werden können. In Sachsen-Anhalt wird zumindest ein Teil der Schüler mit Handicap seit 2009 in Regelschulen unterrichtet. (aw)

Magdeburg/Erfurt l Eine gemeinsame Schule für Kinder mit und ohne Handicaps – was Teilhabe ermöglichen soll, stößt bei den Lehrern in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen überwiegend auf Ablehnung. Das geht aus einer Forsa-Studie im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hervor, die gestern in Erfurt vorgestellt wurde. Nur 49 Prozent der Lehrer in Mitteldeutschland befürworten demnach vorbehaltlos das Konzept der Inklusion (siehe Infokasten).

Die Lehrer hierzulande sind damit deutlich skeptischer als der Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit stehen 54 Prozent der Lehrkräfte hinter dem Konzept.

Grund für die Ablehnung in Mitteldeutschland sind laut Studie die Rahmenbedingungen an den Schulen: Ein Viertel der Befragten klagte über zu wenig Personal. 16 Prozent nannten die mangelhafte räumliche Ausstattung und die unzureichende Ausbildung der Lehrkräfte als Ursache.

VBE fordert neues Konzept für Inklusion

Folglich waren 13 Prozent der Meinung, dass die Regelschulen die Inklusion nicht leisten können. Weitere 13 Prozent glauben zudem, dass lernstarke Kinder ohne Unterstützungsbedarf Nachteile durch die Inklusion erleiden. Ludger Thieler vom VBE Sachsen-Anhalt hält die Ergebnisse für bedenklich. „Damit Inklusion gelingen kann, muss Schule komplett neu konzipiert werden“, fordert er. Dafür müssten in Sachsen-Anhalt mindestens 600 Sonderpädagogen und Förderschullehrer zusätzlich eingestellt werden.

Erheblichen Personalbedarf gebe es zudem bei Schulsozialarbeitern, Pyschologen und Krankenschwestern. Auch die räumliche Gestaltung der Regelschulen sei nicht zeitgemäß, für die Inklusion müssten Klassenräume kleiner sein. Lehrkräfte müssten vom Frontalunterricht abweichen können. In jeder Lerngruppe müssten Schülern wenigstens zwei Kollegen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ähnlich äußerte sich die Lehrergewerkschaft GEW.

Thieler kündigte an, mit Bildungsminister Marco Tullner (CDU) über Konsequenzen aus sprechen zu wollen. Tullner selbst sagte zur Studie: „Inklusion ist grundsätzlich nicht gescheitert, aber wir müssen akzeptieren, dass sie an Grenzen stößt.“ Die Diskussion über die Fortentwicklung der Inklusion dürfe nicht von Wunschträumen ausgehen. „Im Interesse aller Kinder müssen wir die verfügbaren Ressourcen möglichst effizient einsetzen.“

Genau wie der VBE setzt Tullner neben der Beschulung in Regelschulen dabei auch künftig auf Förderschulen. Seitdem Deutschland 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben, hat ist deren Rolle allerdings umstritten. Auf Beschluss des Landtags befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft der Schulform. Bis Herbst soll sie erste Ergebnisse vorlegen. Derzeit gibt es 94 Förderschulen mit verschiedenen Schwerpunkten im Land.