Notwehr-Version des Profiboxers wird in Frage gestellt

Frauen belasten Stieglitz nach der Prügelei schwer

Von Matthias Fricke und Daniel Hübner

Die Schwiegermutter und die Ehefrau des Ex-Box-Weltmeisters belasten Robert Stieglitz mit ihren Aussagen schwer. Sie widersprechen seiner Notwehr-Version. Jacob Beim hat die Operation überstanden, ist bei Bewusstsein, aber noch nicht vernehmungsfähig.

Magdeburg l Deutschlandweit und selbst in der Schweiz sorgte die Prügelei des ehemaligen Boxweltmeisters Robert Stieglitz in seinem Haus im Magdeburger Stadtteil Stadfeld für Schlagzeilen. In dem Doppelhaus, das er mit seinen Noch-Schwiegereltern (die Scheidung von Ehefrau Anna ist am 19. Oktober) gemeinsam bewohnt, war in der Nacht zum Sonntag der 56-jährige Schwiegervater Jacob Beim von Stieglitz niedergeschlagen worden. Der Boxer spricht von Notwehr. "Er hat einen Streit begonnen und mich betrunken mit der Eisenstange angegriffen und immer wieder auf mich eingeschlagen, so dass ich mich wehren musste." Hintergrund war ein seit Jahren schwelender Streit um Sorgerecht und Grundstücksfragen.

Der Schwiegervater erlitt einen dreifachen Schädelbasisbruch. Nach einer vierstündigen Operation am Dienstag im Klinikum Magdeburg konnten Einblutungen ins Gehirn gestoppt werden. Die Ärzte sagten den Angehörigen, dass noch weitere Brüche bei der Operation festgestellt worden seien. Es fehlen auch zwei Frontzähne. Seine Tochter sagte gestern: "Mein Vater ist wieder bei Bewusstsein. Ihm fehlt aber noch teilweise das Erinnerungsvermögen."

"Das war keine Notwehr, das war eher wie eine Hinrichtung."

Anna Beim-Stieglitz

Inzwischen hat auch eine Rechtsmedizinerin die Verletzungen von Jacob Beim und seiner Frau Brigitte, die sich schützend zwischen beide stellen wollte und dabei einen Bluterguss am Oberschenkel erlitt, dokumentiert. Ein Gutachten soll nun feststellen, wie oft und mit welcher Gewalt der Profiboxer mit dem Kantholz zugeschlagen hat.

Schwiegermutter und Tochter belasten Stieglitz mit ihren Aussagen schwer. So sagte Ehefrau Anna Beim-Stieglitz: "Das war keine Notwehr. Das war eher wie eine Hinrichtung." Es habe außerdem vorher einen lauten Streit gegeben, bei dem Stieglitz auf Russisch im Streit geäußert haben soll, dass er Beim umbringen wolle. Das war noch vor der tätlichen Auseinandersetzung. Und Brigitte Beim sagte: "Als ich mich schützend zwischen beide gestellt habe, hat er mich mit dem Kantholz an den Oberschenkel geschlagen, so dass ich zusammengesackt bin. Dann hat er über mich hinweg auf meinen Mann eingeschlagen."

Die Polizei hatte noch in der Nacht zum Sonntag, als Jacob Beim kurz bei Bewusstsein war, eine Atemalkoholkontrolle vorgenommen. Dabei stellten die Beamten einen Wert von 1,8 Promille fest.

SES-Boxmanager Ulf Steinforth wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Thomas Pütz, 46 Jahre, seit April 2010 Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB): "In Deutschland gilt die Unschuldsvermutung, deshalb ist Robert für mich zunächst einmal unschuldig. Für das deutsche Boxen ist es generell eine unglückliche Geschichte."

Nach einem Stadtratsbeschluss, der in der letzten nichtöffentlichen Sitzung gefallen war, soll Stieglitz Ehrenbotschafter der Stadt Magdeburg werden. Stadtsprecher Michael Reif: "Das Verfahren wird bis zum Ende der Prüfung der Vorwürfe gestoppt." Seite 2