Magdeburg l Das Thermometer zeigt Montag knapp über 23 Grad, das Wasser ist sogar etwas wärmer. Die Liegewiese des Freibads Langenweddingen im Bördekreis ist verwaist, ebenso das 1875 Quadratmeter große Becken und die Strandbar. „Wenn die Ferien vorbei sind und es nicht knallige 30 Grad sind, kommt kaum jemand“, zuckt Norbert Dregger, Chef des Freibad-Fördervereins, die Schultern. Trotzdem ist er mit der Saison zufrieden. „Es ist besser gelaufen als befürchtet.“ Aber 20 Prozent Einnahmen weniger als 2019 seien es doch gewesen.

Als eines der ersten hat das 92 Jahte alte Freibad nach dem absoluten Badeverbot wieder geöffnet. Und Dregger freut sich darüber, dass die Gäste die strikten Hygienevorschriften „ohne zu Murren akzeptiert“ haben.

„Wir haben sehr auf Eigenverantwortung gesetzt und sind nicht enttäuscht worden“, meint auch Fördervereinsmitglied Guido Skirlo. „In die Karten gespielt haben uns unser großer Liegebereich und die neuen Toiletten, die gerade fertig geworden waren.

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Betreiber ist die Gemeinde Sülzetal, die Kosten und die Organisation stemmt der Verein. „Das System hat sich bewährt“, sagt Dregger. Hätten sich 2012 nicht sieben Langenweddinger entschlossen, diesen Schritt zu gehen, würde es das Bad schon lange nicht mehr geben. „Die Gemeinde befand sich in der Konsolidierung und hatte andere Sorgen, als eine Badeanstalt zu finanzieren.“

Die Zusammenarbeit mit der Kommune sei heute sehr gut, so der Vereinsvorsitzende, „und Bürgermeister Jörg Methner ist bei jedem Arbeitseinsatz dabei“.

Aus den einst sieben Vereinsmitgliedern sind mehr als 200 geworden, und dass sich eine Reihe von Sponsoren ihr Bad etwas kosten lässt, davon zeugt die Tafel mit den Namen der Geldgeber. Das Freibad sei nicht nur eine Oase zum Abkühlen und Erholen, sagt Dregger. „Es ist ein sozialer Treffunkt, der das Dorf zusammenhält.“

Thomas Höning, seit 20 Jahren Schwimmmeister im Freibad Tangerhütte (Kreis Stendal), stöhnt: „Anstatt am 15. Mai konnten wir aufgrund des Corona-Stopps erst vier Wochen später öffnen. Das ist beim besten Willen und trotz des Superwetters danach nicht aufzuholen.“ Um die 25 Prozent weniger Badegäste, schätzt er und erinnert sich, dass vor Jahren ein total verregneter Sommer schon einmal zu Minuszahlen geführt hat. „Aber es ist schon so, so schlimm wie 2020 war es auch damals nicht.“ Wenn es nach Höning geht, fällt am 13. September der Hammer und „Abbaden“ setzt der Ausnahmesaison ein Ende.

Der Salzwedler Stadtsprecher Andreas Köhler meint mit Blick auf die Besucherzahlendes Freibads in der Hansestadt, dass es „den einen oder anderen Badegast anfänglich abgeschreckt hat, als die notwendigen Pandemie-Maßnahmen in Kraft getreten sind“. Zwar habe es im Juni Einbrüche bei den Besucherzahlen gegeben, aber im Großen und Ganzen seien die Gäste ihrem Bad treu geblieben. Zum Vergleich: Juni 2018: 9386, 2019: 16 233, 2020: 2369. „Die Jahreszahlen von 2018 mit 48446 und 2019 mit 34 415 werden nicht erreicht“, so Köhler, das könne man schon voraussagen. „Gegenwärtig liegen wir bei mehr als 10 600 Badegästen.“ Insgesamt zeigten die Besucher großes Verständnis für die veränderten Gegebenheiten im Bad, zum Beispiel mit den Umkleiden, die über das gesamte Gelände verteilt sind.

Saison war Herausforderung

Christian Ochsenbauer von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, in der beinahe alle Bäder organisiert sind, spricht von einer „tendenziellen Katastrophensaison“ und sieht mit Furcht auf die Badesaison 2021. „Es zeichnet sich ja jetzt schon ab, dass es im nächsten Jahr nicht besser werden könnte. Da steht doch die Frage, ob Freibäder überhaupt noch öffnen, denn die finanziellen Einbußen 2020 waren ja bereits zum Teil kaum zu stemmen.“

Die Saison sei eine „absolute Herausforderung“ für die Betreiber gewesen. Zu den sinkenden Einnahmen durch Besucherrückgang kamen die Kostensteigerungen durch die Hygienemaßnahmen.

Noch schlimmer als bei den Freibädern sei die Situation bei den Freizeitbädern. Sie sei „existenzbedrohend“.

Das gesamte Ausmaß der Corona-Saison werde erst in einigen Wochen deutlich, so Ochsenbauer. „Wir machen gerade eine Umfrage bei unseren Mitgliedern.“

Nils Kirchner, Vizechef vom Magdeburger Carl-Miller-Bad, schätzt, dass etwa 20 Prozent weniger Besucher ins 1951 eröffnete Freibad gekommen sind. „Die Zurückhaltung war schon groß und besonders der Saisonstart schleppend.“ Während der vergangenen zwei Wochen sei das Bad aufgrund der hohen Temperaturen unter Berücksichtigung der Hygiene­maßnahmen ausgebucht gewesen. Allerdings habe dadurch der Verlust nicht aufgefangen werden können.

„An die Badeblöcke mussten sich die Gäste erst gewöhnen. Das heißt, Badezeit von 10 bis 14 Uhr. Danach mussten alle das Bad verlassen. Es wurde desinfiziert und der zweite Block war dann von 15 bis 19 Uhr.“ Die Tatsache, dass derjenige, der für morgens ein Ticket hatte, am Nachmittag noch mal bezahlen musste, stieß nicht bei allen auf Gegenliebe. Auch wenn der Eintrittspreis reduziert war.

Die Saison endet im Carl-Miller-Bad am 30. August, „aber vielleicht, wenn das Wetter mitspielt, könnte ich mir noch eine Verlängerung vorstellen“, sagt Kirchner.

Auch der Halberstädter See verzeichnet „einen gewaltigen Rückgang an Badegästen“, sagt Brandon-Lee Hofmann. „Wir achten genau darauf, dass nicht mehr als 1000 Gäste eingelassen werden. Maskenpflicht besteht nur im Eingangsbereich und in der Gastronomie.“

Mehr als zwei Drittel weniger Besucher verzeichnet das Freibad in Wolmirstedt. „Die sechs Wochen, die wir später geöffnet haben, sind nicht wettzumachen“, sagt die zuständige Amtsleiterin der Stadt, Erika Tholotowsky. Auch in Wolmirstedt werde daran gedacht, so das Wetter mitspielt, die Saison über Ende August zu verlängern. „Aber auch dann kann man bei uns nur schwimmen, Wasserrutsche, Brausepilz und Planschbecken bleiben weiterhin geschlossen.“ Die Stadt lasse sich das Bad etwas kosten. Das Ticket gibt es für vier Euro, die Kommune legt zehn Euro drauf.