Magdeburg (dpa) l In Sachsen-Anhalt sind dem Kampfmittelbeseitigungsdienst 2018 deutlich mehr Munitionsfunde und Verdachtsfälle gemeldet worden als in den Vorjahren. Es habe 453 Meldungen von Bürgern gegeben, sagte Einsatzleiter Torsten Kresse der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. "In den Vorjahren hatte sich die Zahl der Einzelfundstellen bei 300 eingependelt." Wegen des heißen und trockenen Wetters im vergangenen Jahr seien viele Flussbetten zu Fundorten geworden. Von den 453 Fundorten seien 111 in oder an Gewässern gewesen. 2017 hatte es nur 23 sogenannte Wasserfundstellen gegeben – bei 301 Fundstellen insgesamt.

Einer der größten Einsätze der Kampfmittelexperten war im vergangenen Jahr einer an der Elbe in Magdeburg. Bei extrem niedrigem Wasserstand wurde eine 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg offenbar. Am 18. August mussten rund 5000 Magdeburger ihre Wohnungen rund um den Fundort am Petriförder verlassen. Bewohner von Heimen und Kliniken wurden in Sicherheit gebracht.

Viele Verdachtsfälle gemeldet

Aber nicht alles, was aus dem Wasser oder einem sonst nicht sichtbaren Flussbett ragte, war am Ende auch tatsächlich Munition. Laut Kresse wurden auch Holzpflöcke und Betonpfosten als Verdachtsfälle gemeldet, alte Anker und Stahltrossen tauchten auf. "An manchen Tagen hatten wir sehr viel zu tun und sind nur von Fundstelle zu Fundstelle gefahren", sagte Kresse. Sorgen haben den Experten auch Schatzsucher gemacht, die an sonst nicht zugänglichen Orten buddelten – und freigelegte Munition liegen ließen.

Alles in allem haben Kampfmittelexperten laut Einsatzleiter Kresse im vergangenen Jahr 41 Tonnen Munition gefunden und geborgen. 9,9 Tonnen gingen auf Hinweise von Bürgern zurück. Die große Menge unschädlich gemachter Munition gehe auf die Suche auf Truppenübungsplätzen wie Altengrabow zurück. Dort lasse der Bund systematisch suchen. Das übernähmen Privatfirmen, wie Kresse sagte.

Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld der Kampfmittelbeseitiger ist die Suche auf Baugrundstücken. 1080 Anfragen habe es im vergangenen Jahr gegeben – ein weiter hohes Niveau angesichts des Baubooms, wie Kresse sagte. Die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes übernahmen davon etwa die Hälfte, die andere Hälfte ging an private Kampfmittelfirmen.