Magdeburg l Während der erste gezündete schwere Böller am Sonntag um genau 14.58 Uhr im Gäste-Fanblock noch ohne Folgen blieb, sorgten die weiteren Vorfälle kurz nach Wiederanpfiff für eine längere Unterbrechung. Frankfurter Anhänger hatten Raketen in Richtung Club-Fans geschossen, auf der Gegenseite fühlten sich im FCM-Ultra-Block einige provoziert und gelangten in den Innenraum. Die Volksstimme geht den wichtigsten Fragen nach.

Wie gelangten Böller, Raketen und weitere Pyrotechnik überhaupt ins Stadion? „Die Stadionbesucher werden dabei immer einfallsreicher. So werden Chemiekalien in Schuhsohlen oder am Körper, zum Beispiel am Hodensack, versteckt, so auch am Sonntag. Bestimmte Dinge werden in Fahnen eingenäht“, sagte René Wißmach, Geschäftsführer der für den Sicherheitsdienst in und vor der MDCC-Arena zuständigen Firma „mekka security GmbH“.

Waren die Einlasskontrollen zu lasch? Wißmach: „Hundertprozentig kann man das nicht unterbinden.“ Und stellt dann die Frage: „Wenn Handys und Drogen in Gefängnisse hineingeschmuggelt werden können, wie soll man da bei 3000 Personen, die auf einen zukommen, solche Dinge in einer zweistündigen Einlasskontrolle ganz verhindern?“ Seine Leute hätten Schuhe ausziehen lassen, doch gehe das nicht bei allen Besuchern. Zudem wurden schon an den ersten Checkpoints Hausverbote wegen des Mitführens von Pyrotechnik und Betäubungsmitteln ausgesprochen und angewandt.

1. FC Magdeburg gegen Eintracht Frankfurt

Magdeburg (fb) l Der 1. FC Magdeburg hat in der ersten Hauptrunde knapp gegen den Bundesliga-Vertreter Eintracht Frankfurt verloren. Der Drittligist unterlag den Hessen nach Elfmeterschießen 4:5. Nach der regulären Spielzeit und der Verlängerung hatte es 1:1 gestanden.

  • Jan Löhmannsröben beim Einlaufen. Foto: Eroll Popova

    Jan Löhmannsröben beim Einlaufen. Foto: Eroll Popova

  • Manuel Farrona Pulido (l. und Jan Löhmannsröben (r.) im Duell mit Frankfurts Szabolcs Huszti. Foto: Eroll Popova

    Manuel Farrona Pulido (l. und Jan Löhmannsröben (r.) im Duell mit Frankfurts Szabolcs H...

  • Michael Hector (l.) im Duell gegen Magdeburgs Manuel Farrona Pulido. Foto: Eroll Popova

    Michael Hector (l.) im Duell gegen Magdeburgs Manuel Farrona Pulido. Foto: Eroll Popova

  • Fans des 1. FC Magdeburg bei ihrer Choreografie. Foto: Eroll Popova

    Fans des 1. FC Magdeburg bei ihrer Choreografie. Foto: Eroll Popova

  • Fans des 1. FC Magdeburg bei ihrer Choreografie. Foto: Eroll Popova

    Fans des 1. FC Magdeburg bei ihrer Choreografie. Foto: Eroll Popova

  • Michael Hector (l.) und Alexander Meier (r.) im Duell mit Christian Beck. Foto: Eroll Popova

    Michael Hector (l.) und Alexander Meier (r.) im Duell mit Christian Beck. Foto: Eroll Popova

  • Jens Härtel bringt Tarek Chahed ins Spiel. Foto: Eroll Popova

    Jens Härtel bringt Tarek Chahed ins Spiel. Foto: Eroll Popova

  • Christian Beck beim Schussversuch. Foto: Eroll Popova

    Christian Beck beim Schussversuch. Foto: Eroll Popova

  • FCM-Präsident Peter Fechner und Sportchef Mario Kallnik. Foto: Eroll Popova

    FCM-Präsident Peter Fechner und Sportchef Mario Kallnik. Foto: Eroll Popova

  • Tarek Chahed (l.) im Duell mit Michael Hector, der später noch mit Gelb-Rot vom Platz fliegen sollte. Foto: Eroll Popova

    Tarek Chahed (l.) im Duell mit Michael Hector, der später noch mit Gelb-Rot vom Platz fliege...

  • Fredi Bobic, gerade neu ins Amt gekommener Vorstandschef bei Eintrach Frankfurt. Foto: Eroll Popova

    Fredi Bobic, gerade neu ins Amt gekommener Vorstandschef bei Eintrach Frankfurt. Foto: Eroll Popova

  • Ex-Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann verfolgte das Geschehen. Foto: Eroll Popova

    Ex-Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann verfolgte das Geschehen. Foto: Eroll Popova

  • Coach Jens Härtel macht seine Mannschaft bereit. Foto: Eroll Popova

    Coach Jens Härtel macht seine Mannschaft bereit. Foto: Eroll Popova

  • Leopold Zingerle im Spiel des FCM gegen Eintracht. Foto: Eroll Popova

    Leopold Zingerle im Spiel des FCM gegen Eintracht. Foto: Eroll Popova

  • Christopher Handke schießt seinen Elfmeter. Foto: Eroll Popova

    Christopher Handke schießt seinen Elfmeter. Foto: Eroll Popova

  • Jan Löhmannsröben am Elfmeterpunkt. Er wird verschießen. Foto: Eroll Popova

    Jan Löhmannsröben am Elfmeterpunkt. Er wird verschießen. Foto: Eroll Popova

  • Der 1. FC Magdeburg verliert gegen Eintracht Frankfurt. Foto: Eroll Popova

    Der 1. FC Magdeburg verliert gegen Eintracht Frankfurt. Foto: Eroll Popova

  • Leopold Zingerle kann den Schuss von Frankfurt-Stürmer Alexander Meier nicht festhalten. Foto: Eroll Popova

    Leopold Zingerle kann den Schuss von Frankfurt-Stürmer Alexander Meier nicht festhalten. Fot...

  • Moritz Sprenger (r.) tröstet Keeper Leopold Zingerle. Foto: Eroll Popova

    Moritz Sprenger (r.) tröstet Keeper Leopold Zingerle. Foto: Eroll Popova

  • Die Ex-Nummer-1 und heutiger Torwart-Trainer Matthias Tischer (l.) und Coach Jens Härtel trösten Keeper Leopold Zingerle. Foto: Eroll Popova

    Die Ex-Nummer-1 und heutiger Torwart-Trainer Matthias Tischer (l.) und Coach Jens Härtel tr&...

  • Der 1. FC Magdeburg verliert gegen Eintracht Frankfurt. Foto: Eroll Popova

    Der 1. FC Magdeburg verliert gegen Eintracht Frankfurt. Foto: Eroll Popova

Randale im Pokalspiel des FCM gegen Frankfurt

Magdeburg (fb) l Im Pokalspiel des 1. FC Magdeburg gegen Eintracht Frankfurt ist es zu Ausschreitungen gekommen. Fans der Gäste aus Hessen schossen Leuchtraketen in einen FCM-Block und zündeten Böller. Daraufhin versuchten Fans aus dem Block U das Feld zu stürmen. Dabei traten sie Werbebanden ein, erst die Polizei konnte sie aufhalten. Nun ermittelt der Kontrollausschuss des DFB gegen beide Vereine.

  • Die Fans von Eintracht Frankfurt standen angemalt und in schwarz im Gästeblock der Magdeburger Arena. Foto: Eroll Popova

    Die Fans von Eintracht Frankfurt standen angemalt und in schwarz im Gästeblock der Magdeburg...

  • Fans beider Seiten im Stadion. Foto: Eroll Popova

    Fans beider Seiten im Stadion. Foto: Eroll Popova

  • Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block rechts neben ihnen. Foto: Eroll Popova

    Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block r...

  • Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block rechts neben ihnen. Foto: Eroll Popova

    Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block r...

  • Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block rechts neben ihnen. Foto: Eroll Popova

    Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block r...

  • Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block rechts neben ihnen. Dort stehen aber auch einige Fans des BFC Dynamo Berlin. Foto: Eroll Popova

    Die Frankfurter Anhänger zünden Pyrotechnik und werfen Leuchtraketen in den FCM-Block r...

  • Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm. Die Polizei konnte sie zurückhalten, Spieler und Trainer Jens Härtel versuchten sie zu beruhigen. Foto: Eroll Popova

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  • Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm. Die Polizei konnte sie zurückhalten, Spieler und Trainer Jens Härtel versuchten sie zu beruhigen. Foto: Eroll Popova

    Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm...

  • Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm. Die Polizei konnte sie zurückhalten, Spieler und Trainer Jens Härtel versuchten sie zu beruhigen. Foto: Eroll Popova

    Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm...

  • Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm. Die Polizei konnte sie zurückhalten, Spieler und Trainer Jens Härtel versuchten sie zu beruhigen. Foto: Eroll Popova

    Nach dem Werfen der Leuchtraketen reagierten die Magdeburger Fans mit einem versuchten Platzsturm...

  • Fans von Eintracht Frankfurt zündeln im Gäste-Block. Foto: Eroll Popova

    Fans von Eintracht Frankfurt zündeln im Gäste-Block. Foto: Eroll Popova

  • Nach den Ausschreitungen und einer Spielunterbrechung von knapp elf Minuten war die Polizei im Stadion vor dem Gäste-Block aufmarschiert. Foto: Eroll Popova

    Nach den Ausschreitungen und einer Spielunterbrechung von knapp elf Minuten war die Polizei im St...

Wieso durften die geschminkten und teils vermummten Hooligans überhaupt ins Stadion? „So etwas habe ich noch nie erlebt. Es herrschte gespenstische Ruhe, als die Frankfurter aus dem Zug ausgestiegen sind“, sagte Romy Gürtler, Sprecherin der Bundespolizei. Das Motto der Frankfurter Fanszene für die Auswärtsfahrt war: „Alle in schwarz nach Magdeburg“. Zwar sei so eine Bemalung nicht verboten, ließ aber auch die Bundespolizisten ratlos zurück. „Wir haben das zur Klärung an den Ermittlungsdienst gegeben“, so Gürtler.

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Zum Thema Vermummung äußerte sich die Pressestelle des FCM am Montag auf Anfrage so: „Die Vermummung erfolgte erst im Stadion. Selbstverständlich erhalten vermummte Personen keinen Zutritt zum FCM.“

Zur Thematik Vermummung als Straftatbestand erklärte die Polizeidirektion Nord auf Nachfrage: Der Unterschied liegt in der Art der Veranstaltung. Wäre der Aufzug der Frankfurter eine Demonstration gewesen, wäre die Bemalung als Vermummung aufgefasst und damit als rechtswidrig gewertet worden. Aber rein faktisch sind die Fußballfans aus Frankfurt nur vom Haltepunkt im Herrenkrug-Park zum Stadion gelaufen.

„Wir haben da keine rechtliche Handhabe“, erklärte Mike von Hoff von der Polizeidirektion Nord. Was wiederum im Stadion erlaubt sei, sei alleinige Sache des Hausherren, also des 1. FC Magdeburg. „Wir sind nur Unterstützende da“, sagte von Hoff. Das Hausrecht durchsetzen müssten die Ordner. „Nach unserer Auffassung wurde insgesamt gut kontrolliert“, so von Hoff. Wie trotzdem Pyrotechnik ins Stadion gelangen konnte, frage sich allerdings auch die Polizei.

Aber das auszuwerten, sei alleinige Aufgabe des Hausherren, so von Hoff. Ein Fazit zum Einsatz werde die Polizeibehörde nicht abgeben.

Wie stehen FCM- und Eintracht-Fans zueinander? Es herrscht keine klassische Feindschaft. Die existiert auf Seiten der Frankfurter im Osten zu Hansa Rostock und Dresden.

Welche Rolle spielen die BFC-Fans? Während es vor der Wende zwischen dem FCM und BFC große Rivalität gab, hat sich das mittlerweile geändert. Das Kriegsbeil wurde begraben. Es gibt nach Volksstimme-Informationen heute sogar befreundete Hool-Gruppen, die zusammen auch ihre Freizeit verbringen (Fußballspielen, Grillen). Vereinzelt gesellen sich auch Anhänger von Eintracht Braunschweig dazu. Diese Fan-Gruppierung hat ihre festen Plätze stets in unmittelbarer Nähe zum Gäste-Block.

Warum ließen sich die FCM-Ultras auf der Gegenseite provozieren und drangen in den Innenraum ein? Jens Janeck vom Fanprojekt Magdeburg sagte dazu: „Das war die Reaktion auf das Verhalten der Frankfurter. Unsere Ultras lehnen Raketen und Böller strikt ab, die gegen Menschen eingesetzt werden, in diesem Fall sogar gegen die eigenen Magdeburger Fans. Sie empfanden das als unerträglich. So war die Hemmschwelle ganz unten.“

Was sagt FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik zu den Vorfällen? „Frankfurter Fans haben Böller eingesetzt, die bewusst die Gesundheit anderer gefährden. Damit wurde absolut gegen die Sitten des Fußballs verstoßen. Das hat dann bestimmte Reaktionen einiger FCM-Fans hervorgerufen. Die Crux war natürlich, in den Innenraum einzudringen. Das ist nun einmal verboten und braucht kein Mensch. Und wir als Verein werden so mit ins Fahrwasser reingezogen.“

Wieviel Strafanzeigen gab es? Während des Einsatzes in der MDCC-Arena nahm die Polizei zwölf Strafanzeigen auf. Darunter unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung.

Wie beurteilt Stadionsprecher Torsten Rohde, der während der Unterbrechung deeskalierend einwirkte, die Ereignisse vom Sonntag? „Ich bin brutalst schockiert und hoffe, dass ich so etwas nie wieder in unserem Wohnzimmer, der MDCC-Arena, erleben muss. Ich habe noch während des Spiels SMS von Familien bekommen, die das Stadion vorzeitig verlassen haben. Auch ich hatte Angst, vor allem um meine beiden kleinen Söhne Maximilian und Timon, die nicht weit weg vom Geschehen in Block 10 ihre Plätze hatten.“

Wie reagiert die Eintracht? Vorstandsmitglied Axel Hellmann hat die Ausschreitungen Frankfurter Anhänger scharf verurteilt. „Das war ein Tiefpunkt, was die Wahrnehmung der Fans anbelangt. Das Feuern von Leuchtspurmunition in den Block ist schlichtweg als kriminell zu bezeichnen.“