Magdeburg l Montagabend müssen sich Tausende Pendler anders vorgestellt haben. Dabei war noch wenige Stunden zuvor alles in Ordnung. Es ist 9.01 Uhr als die Polizei die Information erhält, das ein Lastwagen auf der Autobahn 2 zwischen den Anschlussstellen Magdeburg-Rothensee und -Zentrum verunglückt ist. Vor Ort zeigt sich ein übles Bild. Ein Sattelzug liegt in der Böschung neben der Autobahn. Das tonnenschwere Gespann droht mehrere Meter abzustürzen. Wie durch ein Wunder hält die Schutzplanke den Brummi bei seinem Abflug auf. "Der Fahrer und Beifahrer blieben bei dem Unfall unverletzt", vermeldet Doreen Günther, Pressesprecherin der Autobahnpolizei, wenig später.

Nach dem das Schadensausmaß klar und das Bergeunternehmen bestellt ist, schleicht sich langsam die Chaos-Phase in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg ein. Gegen 15 Uhr wird die Autobahn in Fahrtrichtung vollgesperrt, damit das Bergeunternehmen ungehindert seiner Arbeit nachgehen kann. Bereits an der Abfahrt Rothensee wird der Autobahnverkehr abgeleitet - was den Anfang der Geduldsprobe für alle Verkehrsteilnehmer bedeutet.

In dichten Kolonnen schleichen nun die Verkehrsteilnehmer durch den Norden der Stadt um wieder auf die Autobahn zu kommen. Dabei folgen viele dem August-Bebel-Damm über die Pettenkoferbrücke in Richtung des Magdeburger Rings. Andere wiederum fahren direkt durch das Wohngebiet Rothensee und drängeln sich über enge Straße in Richtung Barleben. Der dritte Strom fährt bereits an der A2 bei Burg-Zentrum ab und versucht sich über die Bundesstraße 1 in Richtung des Magdeburger Ring durchzuschlagen.

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Das Resultat ist eine absolute Chaosphase im sonst schon geplagten Magdeburger Berufsverkehr. Auf allen Einfallstraßen heißt es: Warten. Ein Pendler berichtet, das er von Burg-Zentrum bis nach Barleben rund vier Stunden gebraucht habe. Hinzu kommt auch noch ein Unfall mit einem Laster auf der Breitscheidtstraße. Dieser soll versucht haben, über Biederitz abzukürzen und blieb dann an einer Eisenbahnunterführung hängen.

Auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) vermelden über die sozialen Medien Beeinträchtigungen durch das erhöhte Verkehrsaufkommen in der Stadt. Busse und Straßenbahnen haben teilweise bis zu 20 Minuten Verspätung. Erst am frühen Abend scheint zumindest hier Entspannung in Sicht. Währendessen ist der Stau auf der A2 immer noch gut 15 Kilometer lang.

Gegen 20.30 Uhr ist das Bergeunternehmen immer noch mit dem verunfallten Lkw beschäftigt. Erschwerend kommt hier hinzu, dass sich der Brummi in seiner Schieflage nicht entladen lässt. Also müssen zwei Kräne und zwei große Bergefahrzeuge den Sattelzug und die geladenen Autoteile wieder auf die Autobahn hieven. Vor Ort schätzen Mitarbeiter der zuständigen Straßenmeisterei die Lage so ein, dass die Autobahn demnächst wieder freigegeben werde. Tatsächlich ist die Autobahn 2 nach sechseinhalb Stunden Vollsperrung wieder offen. Nur der rechte Fahrstreifen und die Standspur bleiben bis zum Dienstagvormittag dicht. Erst dann wird die defekte Schutzplanke in Ordnung gebracht, die der polnische Laster weggerissen und somit einen Chaos-Nachmittag in Magdeburg verursacht hatte.