Magdeburg (dpa) l Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen ist in Sachsen-Anhalt etwa gleich groß geblieben. 2017 wurden nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts in Berlin 65 Erstdiagnosen im Land verzeichnet. Etwa so viele wie im Vorjahr. Vor allem die Präventionsarbeit habe in den vergangenen Jahren gute Dienste geleistet, sagte der Landesgeschäftsführer der Aids-Hilfe Sachsen-Anhalt, Sven Warminsky. Vorrangig klären Aids-Hilfe-Vereine, aber auch Gesundheitsämter die Menschen über das oft mit Vorurteilen behaftete Thema auf.

Neu ist die Arbeit mit einer Smartphone-App. Seit Anfang Oktober sei es in Deutschland möglich, in Apotheken, Drogeriemärkten oder im Online-Handel sogenannte Selbsttests zu kaufen, erklärte Warminsky. Mit den Tests sei es nun sehr leicht, zu Hause eine frühe Diagnose zu stellen und damit eine rechtzeitige Behandlung zu ermöglichen. Bislang erfolgten HIV-Tests unter anderem bei Gesundheitsämtern oder Aids-Hilfen. Nun sei das von zu Hause aus möglich, so Warminsky. Jedoch berge das auch Gefahren.

"Was passiert mit den Menschen, die ein positives Ergebnis haben?", so Warminsky. Der Selbsttest könne dann zu Ängsten und Unsicherheit führen. Der Landesverband habe daher eine App entwickeln lassen, die Menschen auf dem Weg bei einem Selbsttest unterstützt. "Die App begleitet die Menschen vom Kauf bis zur Beratung", sagte der Landesgeschäftsführer. Wenn es notwendig sei, könne man per App Hilfe anfordern. So gebe es die Möglichkeit mit einem Berater zu telefonieren, einen Termin mit der Aids-Hilfe zu vereinbaren oder zu chatten mit Hilfe eines Messengers.

"Die ersten Erfahrungen waren sehr gut mit der App", sagte Warminsky. Ein Selbsttest koste etwa 25 Euro und die App sei kostenlos. Ein frühzeitiger Test trage vor allem dazu bei, dass sich Betroffene zeitig behandeln ließen und somit eine Ansteckung anderer Menschen vermeiden könnten. Die Aids-Hilfe in Sachsen-Anhalt ist nach eigenen Angaben der erste Verband, der eine solche App anbietet.

Nach Schätzungen des RKI waren Ende 2017 in Sachsen-Anhalt etwa 1000 Männer und Frauen an HIV oder Aids erkrankt. Am häufigsten stecken sich Menschen beim Geschlechtsverkehr an. 2017 lebten 600 Männer im Land, die sich beim Sex mit einem anderen Mann infizierten. 190 Menschen steckten sich bei heterosexuellen Kontakten an. Nur 50 Betroffene lebten Ende 2017 in Sachsen-Anhalt, die sich beim Drogengebrauch infizierten.

Wichtig sei die Präventionsarbeit vor allem an Schulen. "Der erhobene Zeigefinger kommt dort aber nicht gut an", sagte Warminsky. Die Aids-Hilfe-Vereine arbeiteten eng und auf Augenhöhe mit den Schülern zusammen. Die Lehrkräfte seien bei den Stunden nicht im Klassenraum. Es gehe darum, offen mit den Mädchen und Jungen zu sprechen, gegen Diskriminierung von Aids-Betroffenen vorzugehen und nah an der Lebenswelt der jungen Menschen zu bleiben.

HIV ist nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe ein menschliches Abwehrschwäche-Virus. HIV schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte. Der Körper kann Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren nicht mehr bekämpfen. Im schlimmsten Fall treten dann lebensbedrohliche Erkrankungen auf, zum Beispiel schwere Lungenentzündungen. Dann spricht man von Aids.

Insgesamt lebten laut RKI Ende 2017 rund 86 100 Menschen im Land mit HIV. Am 1. Dezember ist der offizielle Welt-Aids-Tag. An diesem Tag soll Solidarität mit HIV-positiven und aidskranken Menschen gezeigt werden und gegen die Diskriminierung von Betroffenen eingetreten werden.