Magdeburg l Magdeburg ist die reichste und wirtschaftlich stärkste Stadt Sachsen-Anhalts – wenn es nach der Gewerbesteuer geht. Fast 112 Millionen Euro überwiesen die dort ansässigen Unternehmen 2018 in die Kasse der Landeshauptstadt. In der seit gestern vorliegenden Bilanz des Statistischen Landesamtes steht Magdeburg damit weit vor dem Zweitplatzierten Halle. Die Stadt im Süden kommt nur auf 68 Millionen Euro.

Ein wesentlicher Grund: In Magdeburg sitzen starke Unternehmen wie Getec, FAM und Enercon in der Stadt – die großen Chemiebetriebe des Südens aber liegen außerhalb Halles. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) freut sich über den Vorsprung nur begrenzt. Denn: Halle bekommt zum Ausgleich deutlich mehr Geld vom Land überwiesen. „Ich wünschte, Halle hätte genauso viele Steuern wie wir“, sagt Trümper. Dann kämen mehr Landesgelder in Magdeburg an.

Haseloff will Steuerrecht ändern

Auch im Speckgürtel tut sich etwas. Das ins Straucheln geratene Barleben gehört wieder zu den Reichen. Die Gewerbesteuern kletterten 2018 um satte 90 Prozent. Hauptgrund: Ein Großunternehmen zahlt wieder verstärkt ein.

Investieren Firmen und haben sie viele Sitze in Deutschland, gibt es „Gestaltungsmöglichkeiten“ und Gewerbesteuern können einbrechen. Vor allem Ost-Kommunen leiden darunter. Niedersachsens Gemeinden bekommen im Mittel 512 Euro pro Kopf – in Sachsen-Anhalt sind es nur 379 Euro. „Es gibt sogar Firmen, die hier arbeiten, aber hier null Euro Gewerbesteuern zahlen“, sagt Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Er will das Steuerrecht geändert sehen – scheitert aber bislang am Bund. Am nächsten Mittwoch referiert Haseloff dazu auf dem Deutschen Landkreistag.

Innerhalb Sachsen-Anhalts geht die Schere auch auseinander. Die 23 reichsten Gemeinden kassieren zwei Drittel aller Gewerbesteuern. Den Rest teilen sich 195 Gemeinden. Die ärmeren hängen am Tropf des Landes. Gut 1,6 Milliarden Euro steckt die Landeskasse jährlich in den Finanzausgleich.