Derenburg l Es hat durchaus etwas Festliches, an einem Dezembertag die lange, mit hunderten Lichterketten verzierte Einfahrt zur Glasmanufaktur in Derenburg entlangzugehen. Ein großer, von unten beleuchteter Stein hier, Weihnachtsdeko daneben, Lichtelemente im Hintergrund - fertig ist das Winter-Wunderland, das zum Einkaufen einlädt. Harzkristall, so der offizielle Name, ist Sachsen-Anhalts einzige und die nördlichste Glashütte Deutschlands. Und mittlerweile zu einem großen Erlebnispark gereift.

Seit rund 70 Jahren wird in der Glasmanufaktur vor allem Leuchtglas produziert. Die Geschichte der Traditionsstätte:

  • Ein altes Umspannwerk wurde 1949 zum VEB Glaswerk Harzkristall Derenburg umgebaut. Bereits drei Jahre zuvor hatten Sudetendeutsche die Hohlglasveredelungsgenossenschaft Wernigerode gegründet.
  • 1966 übernahm dann die Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle, die damals noch Hochschule für industrielle Formgestaltung hieß, die Glashütte. Das war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Glasmanufaktur, da die Hochschule bis zur Wiedervereinigung als wichtige Ausbildungsstätte für Künstler in der DDR galt. Trinkgläser, Vasen und Lampen: Das vorwiegend produzierte Gebrauchsglas wurde in der DDR oft vom Staat genutzt, um Devisen zu erhalten und so die hohen Staatsschulden auszugleichen.
  • Wie rund 8400 weitere Betriebe wurde die Glasmanufaktur nach der Wende von der Treuhand-Anstalt übernommen und in das neue System überführt, ehe der Betrieb 1993 als staatliche Glasmanufaktur Harzkristall Eigentum des Landes Sachsen-Anhalt wurde.
  • Erst elf Jahre später, im Jahr 2004, wurde das traditionsreiche Unternehmen privatisiert und gehört seitdem Gerhard Bürger. Mit zahlreichen Umbaumaßnahmen sowie der Neugestaltung der Außenanlagen entwickelte sich die Glasmanufaktur in den folgenden Jahren zu einem Tourismusmagneten. 2006 erhielt das Unternehmen unter der Überschrift "Glaserlebniswelt bereichert Harzangebot!" den Tourismuspreis des Landes Sachsen-Anhalt. Darin enthalten: Ein Marketingpaket des Landes, mit dem das Unternehmen in den folgenden Jahren weitere Marketing-Projekte umsetzen konnte.
  • 2013 wurde die Glasmanufaktur an die Gerhard-Bürger-Stiftung übertragen.
  • 2013 wurde in Derenburg der erste internationale Glasdesign-Wettbewerb der Stiftung und der Manufaktur veranstaltet. An der zweiten Auflage ein Jahr später nahmen insgesamt rund 50 Designer aus Hochschulen in Deutschland, Polen und Finnland teil.
  • Mit einem neuen Erlebniskino, das Besucher während der Führung passieren, wurde das interaktive Angebot 2017 weiter ausgebaut. Mittlerweile können Interessierte 360 Tage im Jahr die Manufaktur besuchen und an speziellen Glasmacher-Kursen teilnehmen.