Magdeburg l Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) hat sich verhement gegen ein durchgängiges „Grünes Band“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze ausgesprochen. Bei der Vorlage des Berichts der Behörde für SED-Diktaturaufarbeitung am Dienstag in Magdeburg sprach sich Brakebusch dafür aus, wichtige Erinnerungsstätten zu erhalten, aber damit nicht gleichzeitig die alte Grenze neu zu manifestieren.

Emotionales Plädoyer

In einem sehr emotionalen Plädoyer erklärte die CDU-Politikerin, sie habe in der DDR in Harbke selbst „in der 500-Meter-Schutzzone“ zu Niedersachsen mit all den damit verbundenen Einschränkungen gelebt. „Ich weiß was diese furchtbare Grenze bei den Menschen ausgelöst hat. Dadurch weiß ich, dass man die Dinge aufarbeiten muss.“ Sie berichtete von einem Familienbesuch im Westen, der ihr in der DDR genehmigt wurde. Dabei habe sie am Grenzübergang Marienborn eine entwürdigende Kontrollprozedur über sich ergehen lassen müssen – von Beamtinnen, die teils ihre Nachbarn waren. Das könne sie nicht vergessen.

Gerade deshalb sei sie gegen ein strenges Schutzgebiet, wie es Bündnis 90/Die Grünen als Koalitionspartner in Sachsen-Anhalt durchsetzen wollten. Wie viele Bewohner an der Ex-Grenze wünsche sie sich, dass das „Grüne Band“ Deutschland nicht wieder komplett teile. Dies könne alte Traumata wieder aufleben lassen. Sie setze such daher entschieden für Unterbrechungen im geschlossenen Grüngürtel ein, sagte Brakebusch. Wie die Landtagspräsidentin auf Volksstimme-Nachfrage erklärte, zeige das Grenzdenkmal in Hötensleben, wie die punktuelle Erinnerung an den Todestreifen gut funktioniere. Dieses Mahnmal habe bei den Bürgern an Akzeptanz gewonnen. „Es ist wichtig für nachfolgende Generationen.“

Keine klare Äußerung

Die Beauftragte für Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, mochte sich hingegen nicht klar äußern. Sie müsse sich dazu erst abschließende Meinung bilden. Neumann-Becker stellt in den Vordergrund, dass am sachsen-anhaltischen Grenzabschnitt der 86 hier Getöteten sowie der 55 Sachsen-Anhaltiner, die anderswo an der Grenze getötet wurden, gedacht werde.

Das „Grüne Band Deutschland “ ist ein gemeinsames Projekt der Anlieger-Bundesländer zum Naturschutz. Die fast 1400 km lange frühere Grenze zwischen Travemünde und Hof soll zum Grüngürtel werden. Besonders eifrig um die Renaturierung bemüht sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).