Magdeburg/Berlin l Hunderte Politiker und andere Prominente sind Opfer eines massiven Datendiebstahls geworden. Eine riesige Menge privater Daten wurde im Internet veröffentlicht. Davon betroffen sind auch etliche Landes- und Bundespolitiker aus Sachsen-Anhalt. Unter den via Twitter veröffentlichten Daten finden sich berufliche E-Mails, Handynummern, Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen, Privatadressen, außerdem Chatverläufe, Rechnungen und Briefe. Sogar private Chats und Sprachnachrichten von Ehepartnern und Kindern wurden veröffentlicht. „Die Bundesregierung nimmt diesen Vorfall sehr ernst“, sagte am Freitag Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz. Wer für das Datenleck verantwortlich ist, ist noch unklar. Auch, ob die Daten allesamt authentisch sind. Der Twitter-Account wurde gestern gesperrt.

Sachsen-Anhalts Regierungssprecher Matthias Schuppe bestätigte, dass auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betroffen sei. Dessen dienstliche Handynummer sei veröffentlicht worden. „Das beunruhigt uns nicht sonderlich“, reagierte Schuppe gelassen. „Wir werden die Entwicklung weiter beobachten.“ Er betonte, wichtige und private Angelegenheiten Haseloffs seien besonders geschützt.

Eine Frage der Zeit?

Zudem sind mehrere Dutzend Landes- und Bundespolitiker aus Sachsen-Anhalt direkt vom Datenklau betroffen. Etwa der Bundestagsabgeordnete und SPD-Landeschef Burkhard Lischka. „Der Hackerangriff ist ein Angriff auf die digitale Souveränität und die Persönlichkeitsrechte jedes einzelnen Betroffenen“, sagte er. „Das Ausmaß ist erschreckend.“ Dennoch verwundere ihn der Angriff nicht, denn: „Wir beobachten seit Jahren Hacker-Angriffe auf Parteien, den Bundestag und Abgeordnete. Daher war es nur eine Frage der Zeit, dass die abgeflossenen Daten auch veröffentlich werden.“

Die Magdeburger SPD-Bundestagsabgeordnete Katrin Budde sagte zum Datendiebstahl: „Das ist skandalös, eine Sauerei.“ Viele ihrer Chats waren im Internet veröffentlicht worden, dazu 1500 private Fotos von ihrer Facebook-Seite. Der ebenfalls betroffene SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Steppuhn erklärte: „Datenklau ist kein Kavaliersdelikt und muss mit aller Härte des Gesetzes geahndet werden.“

Betroffen ist auch die Landtagsabgeordnete Eva von Angern (Linke), von der eine Kopie des Reisepasses und private Informationen zu finden sind: „Das ist ein Angriff auf meine Integrität als Politikerin, aber auch auf meine Familie. Das beunruhigt mich.“ Ihre Fraktion wertete die Attacke als „organisierte Kriminalität gegen die Demokratie“.

Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagte: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass Menschen ausspioniert werden.“ Wie er ist auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Bernstiel (Halle) Opfer des Datenklaus. „Glücklicherweise wurden von mir keine nichtöffentlichen Daten erbeutet“, sagte er. Cyberattacken gehörten inzwischen zum Alltag, ergänzte er. Es sei zu empfehlen, regelmäßig Software-Updates durchzuführen, komplexe Passwörter zu verwenden und sensible Daten zu verschlüsseln.