Magdeburg l Im Prozess gegen den Halle-Attentäter haben Mittwoch am 23. Prozesstag weitere vier Anwälte von Nebenklägern aus der Synagoge und den beiden schwer verletzten Opfern aus Wieders­dorf (Saalekreis) ihre Plädoyers gehalten.

Opferanwältin Assia Lewin, die jüdische Gläubige aus der Synagoge vertritt, schloss sich den Forderungen der Bundesanwaltschaft auf Höchststrafe an. Das bedeutet lebenslange Haft, Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung. Die Frage der Verantwortung für die Eltern würde sie „klar bejahen“. Zwar sei das nicht im juristischen, aber im moralischen Sinn gemeint. „Weder Mutter noch Vater wollen in den eigenen vier Wänden gemerkt haben, dass ihr Kind dort Waffen anfertigt?“, fragte die Anwältin.

Die Antwort blieb im Prozess offen, weil die Eltern von ihrem Zeugnis-Verweigerungsrecht Gebrauch machten. Mit dem „Schweigen, Wegsehen und Unter-den-Teppich-Kehren“ hätten die Eltern ihn einfach gewähren lassen. Anwalt Juri Goldstein, der ebenfalls Gläubige aus der Synagoge vertritt, meinte, dass das antisemitische Verbrechen an „Abscheulichkeit nicht zu überbieten“ war.

Der Anwalt der beiden angeschossenen Wiedersdorfer, Florian Feige, verglich Stephan B. mit einem Dorfdeppen. Früher habe dieser in der Kneipe einen Stammplatz allein in der Ecke gehabt und niemand gab etwas auf dessen Verschwörungsmythen. Das Internet vereine inzwischen aber eben jene Dorfdeppen der ganzen Welt und potenziere das Problem. Feige in Richtung des Angeklagten: „Irgendwann werden auch Sie merken, welchem Irrglauben Sie aufgesessen sind. Und machen Sie bitte nicht von Ihrem Recht des letzten Wortes Gebrauch. Verschonen Sie uns bitte mit Ihrer zerebralen Diarrhö (geistiger Durchfall).“

Am 8. Dezember werden die letzten Plädoyers der Nebenklage gehört. Einen Tag später folgen der Schlussvortrag der Verteidigung und das letzte Wort des Angeklagten.

Weitere Infos zum Prozesstag gibt es hier im Video von Videojournalistin Samantha Günther.