Meitzendorf l „Das ist die nächste Schnapsidee“, sagt Marcus Ostendorf, springt auf, dreht sich um und deutet mit beiden Daumen stolz auf die Rückseite seines T-Shirts. Ein Bäckersjunge mit Brotschieber ist zu sehen, darüber steht „Sons of Bakery“, darunter: „Meitzendorf“. Angelehnt an die US-Serie „Sons of Anarchy“ haben nun alle neun Mitarbeiter der Bäckerei Möhring so ein T-Shirt. „Die tragen wir sogar im Außendienst“, sagt Kerstin Ostendorf und lacht.

Sie ist die Chefin, der Star aber ist ihr Sohn. Der kreative Querdenker. Einer, der das Bäcker-Handwerk im 1000-Seelen-Dorf so hip und modern interpretiert wie es viele sonst nur in Berlin-Kreuzberg erwarten würden. „Ich brauche meinen kreativen Freiraum“, sagt Ostendorf. Und den bekommt er. Auch deshalb wurde er nun als einer von fünf Botschaftern der neuen Imagekampagne des deutschen Handwerks ausgewählt. „Das ist eine große Sache. Bundesweit hängen seine Plakate, er ist im TV zu sehen. Er zeigt, wie kreativ die Arbeit als Handwerker sein kann und wie glücklich der Beruf machen kann“, sagte Burghard Gruppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg (HWK).

Vor ein paar Monaten bekam der Bäckermeister von der HWK die Anfrage, ob er sich für die dritte bundesweite Imagekampagne bewerben wolle. „Dann habe ich halt mit meinem Handy mal ein Video von mir gemacht und gesagt, ja, ich bin der Marcus, bin ein geiler Typ und ich liebe Backen“, beschreibt Ostendorf den ersten Schritt zu nationaler Bekanntheit in seiner gewohnt authentischen Art. Es folgten mehrere Casting-Runden. Am Ende stand ein Video-Anruf mit Regisseur Sören Scholler, der sonst Werbefilme für Mercedes oder Musik-Videos mit Kool Savas dreht.

Aber erst, als Scholler und sein 20-köpfiges Filmteam dann in der kleinen Bäckerei mit viel technischem Schnickschnack anrückten, wurde dem Bäckermeister klar: „Oh, das ist jetzt eine Nummer größer.“

Dabei ist Ostendorf in der Interpreation seines Berufs ohnehin schon immer unkonventionell unterwegs gewesen. 2017 hat er seinen Meister in Dresden gemacht. Die Verbindung blieb bestehen. Seitdem bringen die Bäckereien Möhring und Gnauck alle vier Wochen ein neues „DasDa“-Brot heraus. Demnächst können Kunden sowohl in Dresden als auch in Meitzendorf den „Korinthenkacker“ kaufen, ein Brot mit Korinthen und Sonnenblumenkernen. Fast schon langweilig für einen wie Ostendorf, der auch schon mal Schoko-Chili-Brot oder einen Laib auf Weißwurst-Basis in die Regale packt.

„Coole Rohstoffe, geile Produkte. Jeden Tag am Fließband Eiheitsbrei kreiieren wäre für mich langweilig“, sagt Ostendorf. Der ist nebenbei auch noch Botschafter der Umweltallianz Sachsen-Anhalt, kooperiert mit Brauereien, bringt seine Kreatonen in der Event-Gastronomie unter die Leute. „Was mich antreibt ist die Kreativität. Das Handwerk soll nicht als altbacken dargestellt werden.“

Ein perfekter Botschafter für das Handwerk, das um Nachwuchs ringt. Seit 2011, als noch noch rund 30.000 Auszubildende ihre Bäcker-Ausbildung anfingen, hatte sich die Zahl bis 2018 (16 018) fast halbiert. Positiv: In Sachsen-Anhalt ist die Zahl zwischen 2018 und 2019 von 30 auf 42 Auszubildende gestiegen. Derzeit gibt es rund 144 Betriebe im Bäcker-Handwerk im Land.