Schierke l Der Investor Gerhard Bürger will zwischen Schierke und dem Loipenhaus unweit des Winterbergs für rund 20 Millionen Euro ein neues Skigebiet errichten: mit Seilbahn und Piste. Zudem sind ein Spielplatz und ein Luchszentrum geplant, schließlich soll das Areal ganzjährig Touristen anlocken.

Das Problem: Die Seilbahn verläuft durch ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH). Das sind europäische Naturschutzgebiete. Bauvorhaben sind dort nur eingeschränkt möglich und werden von Umweltverbänden oft beklagt. Die Gefahr, vor Gericht zu scheitern, ist groß. Im Falle des geplanten Skigebiets geht es vor allem um Moorwälder, die unter strengstem Schutz stehen.

Das Vorhaben befindet sich derzeit in der ersten Planungsstufe: Im Raumordnungsverfahren prüft das Land das Vorhaben. Dafür hat Bauminister Thomas Webel (CDU) den Hut auf. Er muss aber andere Behörden beteiligen. Anfang des Jahres stellte das Umweltministerium die Ampel auf Rot. Grund: 3000 Quadratmeter Moorwald wären angeblich betroffen, große Flächen müssten gerodet werden. Der Investor ging in seinen Plänen von deutlich kleineren Flächen aus.

Der Haken: Ab einer Größenordnung von 500 Quadratmetern müsste der Bauherr die EU-Kommission in Brüssel um eine Ausnahmegenehmigung bitten. Das gilt selbst unter wohlmeinenden Fachleuten als aussichtslos.

Das Ganze schaukelte sich politisch auf. Die grüne Umweltministerin Claudia Dalbert lehnt das Vorhaben rundweg ab. Bauminister Webel gab Kontra. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ordnete daraufhin ein neues Gutachten an. Ergebnis: Im sensiblen Areal sind nicht 3000 Quadratmeter, sondern nur 400 Quadratmeter Moorwald direkt betroffen, die gerodet werden müssten.

Investor fühlt sich bestätigt

Investor Bürger fühlt sich damit bestätigt und teilte Webel Ende November in vertrauter Runde mit, dass er an seiner ursprünglich geplanten Seilbahntrasse festhält. Eine zuvor von ihm selbst vorgeschlagene Alternativroute – etwas weiter weg aus der sensiblen Zone – wollte er jetzt nicht mehr verfolgen.

Webels Fachleute schauten sich die Pläne daraufhin erneut an. Die Sache schien ihnen nun zu riskant. Denn: Die tangierte Moorwaldfläche von 400 Quadratmetern liegt nur knapp unter der „roten Linie“ von 500 Quadratmetern. Denn das FFH-Gesetz verlangt, dass auch angrenzende Areale nicht stark beeinträchtigt werden dürfen. Daher laufe man Gefahr, die „rote Linie“ doch zu überschreiten. Auch Gerichte wachten mit Argusaugen darüber.

Webels Haus entwarf daraufhin eine Alternativ-Trasse. Die Mittelstation würde verschoben, und die Seilbahn wäre komplett heraus aus den Moorwäldern des FFH-Gebiets (Karte). Das Ministerium empfahl dem Investor jetzt in einem Brief „dringend“, die Alternativ-Trasse zu prüfen.

Gerhard Bürger lehnt dies jedoch ab. Das Land, so der 79-Jährige, plädiere nun gar für eine Variante mit Bergstation fernab des Loipenhauses. „Dann müsste dorthin noch ein Tellerlift gebaut werden.“ Das sei wirtschaftlich und sportlich völliger Irrsinn. Er favorisiere nun seine Ursprungsvariante, die er für die umweltverträglichste halte, und notfalls noch seine Alternativtrasse.

Wobei jene Tellerlift-Variante wohl nur eine von zweien ist, die das Land Bürger alternativ nahe-gelegt hat. Bürgers Signal ist jedoch glasklar: „Bei einer neuen Variante machen wir nicht mit, dann ist Schluss.“