Kriminalität

Hat Polizei einen Rockerkrieg verhindert?

Bei der Razzia in Schönebeck wurde eine Waffenlieferung an Hells Angels vereitelt. Hintergrund sei ein Konflikt mit Magdeburger Bandidos.

Von Matthias Fricke

Magdeburg l Vor dem Clubhaus in Schönebeck schlugen die Einsatzkräfte am 9. Februar zu: Sie nahmen einen 54-jährigen bereits einschlägig vorbestraften „Red Devil“ aus Niedersachsen fest. Seine Rocker-Gruppe gehört zu den Unterstützern der Hells Angels und die Ware an Bord seines Autos war den Ermittlungen zufolge für die Führung des Motorrad-Clubs bestimmt. Es handelte sich um fünf scharfe Pistolen und 200 Schuss Munition. In der Wohnung und Werkstatt des Mannes fanden die Polizisten später weitere 100 Schuss Munition und einen Schalldämpfer.

Staatsanwalt Hans Christian Wolters aus Braunschweig: „Wir konnten nicht länger warten und mussten zuschlagen, um eine Bewaffnung zu verhindern.“ Aus diesem Grund sei bisher auch noch unklar, was die Hells Angels mit den Pistolen genau vorhatten. Wie die Volksstimme aus Ermittlerkreisen erfuhr, war der Red-Devil-Mann kurz vor seiner Festnahme auf der Rückfahrt aus Tschechien nach Deutschland von LKA-Beamten beschattet worden. Dabei telefonierte der mutmaßliche Waffenhändler mit den Hells Angels, für die die Pistolen bestimmt waren.

Im Clubhaus fanden die Polizisten bei einer zweiten Durchsuchung am 11. Februar weitere 50 Schuss Munition und diverse verbotene Gegenstände wie Schwerter und Nunchaku (zwei Schlaghölzer an einer Kette) sowie gestohlene Baumaschinen. Gegenstand der aktuellen Ermittlungsverfahren ist dabei auch, wofür die Waffen bestimmt waren. LKA-Sprecher Andreas von Koß: „Wir arbeiten eng mit den Kollegen in Niedersachsen zusammen und beobachten die weitere Entwicklung bei uns im Land sehr genau.“ Er könne aber nicht weiter auf Details eingehen.

Seit mehreren Jahren tragen Hells Angels und Bandidos auch in Sachsen-Anhalt immer wieder Fehden aus. Unter anderem wurde vor vier Jahren ein „Angel“ am Hasselbachplatz in Magdeburg von einem Unbekannten angeschossen und schwer verletzt. Obwohl die Schüsse am Tage in dem belebten Kneipenviertel fielen, gab es keine Zeugen. Auch das Opfer schwieg.

Nach einer Verurteilung von drei Magdeburger Hells-Angels-Bossen vor drei Jahren unter anderem wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen mit Bandidos zogen sich die Hells Angels mit ihrem Clubhaus aus Magdeburg zurück und nach Schönebeck um. „Dieser Stachel von damals scheint noch tief zu sitzen“, meint ein Ermittler.

Zumal sich die Bandidos, bzw. ihre Unterstützer in Magdeburg aktuell weiter ausbreiten. So kündigt der Unterstützerklub „Banda Este Magdeburg“ die Eröffnung eines eigenen Clubhauses in Aschersleben am 11. Mai an. Nach Erkenntnissen des LKA haben die sogenannten Outlaw-Motorradclubs, deren Anhänger mit der „Gesetzlosigkeit“ sogar kokettieren, etwa 300 Mitglieder. In der Börde und im Harz dominieren die Bandidos, in der Altmark und im Südosten die Hells Angels.

Peter Meißner vom Bund Deutscher Kriminalbeamter warnt vor einer Unterschätzung des Problems: „Es könnte sein, dass wir gerade eine Neustrukturierung der Szene erleben. Die scharfen Waffen dürften zum Verüben von Straftaten gekauft worden sein.“ Einen Motorradführerschein haben übrigens nur noch wenige Gangmitglieder.