Forschung

Hilfe aus der Luft: Tests mit Drohnen für schwierige Lagen

Unbemannte Flüge sind schon lange kein Science Fiction mehr - auch für humanitäre Zwecke könnten künftig verstärkt Drohnen eingesetzt werden. Auf dem alten Flughafen ich Cochstedt wird das getestet.

Von Jennifer Weese, dpa 22.09.2021, 17:16 • Aktualisiert: 24.09.2021, 00:03
Eine Drohne landet nach dem Testflug vor Mitarbeitern des Instituts für Optische Sensorsysteme des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Eine Drohne landet nach dem Testflug vor Mitarbeitern des Instituts für Optische Sensorsysteme des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Cochstedt - Die kleinen Propeller drehen sich, dann hebt die Drohne mit einem brummenden Geräusch ab. An diesem Mittwoch haben Forscherinnen und Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf dem alten Flughafengelände in Cochstedt (Salzlandkreis) eine Drohne mit speziellem Kamerasystem getestet. Ziel ist es, technische Lösungen für humanitäre Einsätze zu erforschen - in diesem Fall durch unbemannte Aufklärungsflüge.

Der erste Flugversuch war von kurzer Dauer. „Wind too strong“, hörte man aus Richtung des Projekt- und Flugleiters Thomas Kraft. Zu Deutsch: Der Wind war für die 13,5 Kilogramm leichte Drohne einfach etwas zu stark, um sicher zu fliegen. Nach kurzer Zeit in der Luft ging sie wieder zu Boden - ein Sicherheitsfeature. Zum Testen sei das in Ordnung, für Realeinsätze würden künftig andere, robustere Drohnen eingesetzt, so Kraft. Ganz ohne gutes Wetter wird es aber auch damit nicht gehen. „Wir sind erst mal Schönwetterflieger“, sagte Kraft.

Nach wenigen Minuten der zweite Versuch - diesmal ohne Probleme. Schaufensterpuppen und Journalisten wurden von der Drohne überflogen. Auf den Bildschirmen der Forscherinnen und Forscher entfaltete sich ein immer kompletteres Bild des Geländes vom Drohnen-Testzentrum in Echtzeit.

Die Livebild-Übertragung könne künftig dabei helfen, Großlagen zu erkennen, Personen ausfindig zu machen und intakte Zufahrtswege schnell zu entdecken, sagte der Projektleiter. Ein klassischer Satellit könne zwar großflächigere Aufnahmen liefern, meist stünden die Aufnahmen den Einsatzkräften aber erst bis zu drei Tage später zur Verfügung. „Es geht darum, Lagebilder schnell zu erzeugen und diese dann zukünftig auch mit Methoden der künstlichen Intelligenz automatisiert auswerten zu können“, so Kraft weiter.

In einem nächsten Schritt soll dann die automatische Verteilung von Hilfspaketen getestet werden. Je nachdem, wie gut die Algorithmik funktioniere, könne das Ende dieses Jahres oder dann im nächsten Frühjahr passieren, so Kraft. Die Flugversuche finden im Rahmen des Forschungsprojekts „Drones4Good“ statt. An dem Projekt sind vier DLR-Institute beteiligt. Darüber hinaus arbeiten die Forscherinnen und Forscher auch mit dem Technischen Hilfswerk und der Hilfsorganisation International Search and Rescue Deutschland zusammen. Es ist das erste Projekt, das im Drohnen-Testzentrum in Cochstedt abhebt. Die bisherigen Tests blieben allesamt am Boden.

Das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme, wie das Drohnen-Testzentrum offiziell heißt, ist das erste Reallabor seiner Art in Europa. Start-Ups, Universitäten und die Luftfahrtindustrie sollen dort ihre Drohnen-Projekte auf fast 40 Quadratkilometern erproben können. Der Flughafen liegt rund 35 Kilometer entfernt von Magdeburg in dünn besiedeltem Gebiet.

Der ehemalige Militär- und spätere Verkehrsflughafen hatte sich bei der Suche nach einem deutschen Drohnen-Zentrum unter 20 Bewerbern durchgesetzt. Ende März nahm das Testzentrum den Betrieb auf. Die Landesregierung kündigte an, in den kommenden Jahren weitere 15 Millionen Euro in den Standort zu investieren. Als Verkehrsflughafen hatte sich der Flugplatz nicht rentiert, der Status wurde aber vom DLR übernommen. Eine Wiederinbetriebnahme ist geplant.