Magdeburg l Für Thomas Benz ist Magdeburg auch im fernen Saigon eine bekannte Größe. Benz ist Präsident der dortigen Vietnamesisch-Deutschen Universität.

Das es die Einrichtung gibt, ist einem vietnamesischen Kultusminister zu verdanken, der wie viele seiner Landsleute einst in Magdeburg an TU studiert hat. „Die ehemaligen Absolventen sind noch immer stolz auf ihre Deutschkenntnisse“, berichtet der Uni-Präsident von seinen Begegnungen vor Ort.

Absolventen sehr begehrt

Stolz und Selbstbewusstsein will auch die seine Universität neben der fachlichen Qualifikation im Wirtschafts- und Ingenieurbereich den 1500 Studenten vermitteln. Die Ausbildung, die sich sehr von der ortsüblichen unterscheide, garantiere praktisch jedem erfolgreichen Studenten einen Arbeitsplatz. Benz: „Die deutsche Industrie in Vietnam saugt die Absolventen regelrecht auf.“

Parallelen gibt es in Jordanien, wie Anne Lequy, Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, erklärt: „Die dortige Fakultät für soziale Arbeit ist die erste in Arabien. Die Absolventen werden mit Kusshand von den NGOs genommen.“

Wie die Universitäten in Vietnam und Jordanien basieren die fünf in Magdeburg vertretenen binationalen Hochschulen nach einem ähnlichen Modell, berichtet Susanne Otte vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD): Träger sind das Bundesbildungsministerium und das Auswärtige Amt, die Förderung erfolgt über das Programm für transnationale Bildung des DAAD.

Karolin Heinle von der Universität Potsdam ist Projektkoordinatorin für die Türkisch-Deutsche Universität in Istanbul. Die Potsdamer tragen Verantwortung für den Aufbau naturwissenschaftlichen Fakultät. Nun ist die Türkei ist politisch kein einfaches Pflaster. Nach dem Putsch 2016 sei die Kooperation mit den Behörden tatsächlich eine Zeit lang schwierig gewesen, sagt Heinle. Doch inzwischen hätten sich die Wogen geglättet.

Die 2013 gegründete Bildungsstätte ist eine staatliche türkische Universität mit neu gebautem Campus. Sie zählt derzeit 2500 Studenten, 5000 sollen es einmal sein. Die Studiengänge werden sämtlich auf Deutsch absolviert. Dafür gibt es zur Vorbereitung ein komplettes deutsches Sprachjahr, dem vier Jahre Bachelor-Studium folgen. Heinle: „Wir haben immer mehr Bewerber als Plätze.“ Grund ist der gute Ruf, den deutsche Hochschulbildung weltweit genießt.

Frei von Korruption

Das gilt auch für die Deutsch-Kasachische Universität in Almaty, der früheren Hauptstadt des Landes. Einst eine private Neugründung in den chaotischen Zeiten nach dem Ende der Sowjetunion, hat sich seit Beginn der Partnerschaft mit der Bundesrepublik 1999 viel geändert. Heinz-Peter Höller von der Hochschule Schmalkalden, die hier als „Pate“ fungiert, verweist auf die drei Fakultäten für Sozial- und Wirtschaftwissenschaft sowie Wirtschaftsingeniuerwesen mit 720 Studenten. Wenn man einen von ihnen frage, warum gerade dies seine Universität sei, würde laut Höller die Antwort lauten: „Weil sie korruptionsfrei ist!“ Im Unterschied dazu seien an einheimischen Hochschulen nicht nur Studiengebühren, sondern auch Schmiergelder für dieses und jenes fällig.

Anne Lequy weist auf die gegenseitigen Vorteile der binationalen Bildungsprojekte hin. Für die Hochschule Magdeburg-Stendal mit wenig internationalen Kontakten biete die Kooperation mit Jordanien die Möglichkeit einer weltweiter Offenheit. Daher werde der Austausch von Studenten, Lehrpersonal und auch von Verwaltungskräften betrieben.

Umgekehrt seien die länder- übergreifenden Hochschulen wie eine Werbung für deutsche Wirtschaft, Kultur und Politik. Die Rektorin sagt: „Es entsteht eine besondere Beziehung. Die jungen Leute werden zu besonderen Botschaftern Deutschlands.“

Die starke Bindung zu Deutschland unterstreicht auch Thomas Benz für Vietanam: „Weil wir die Hochschulen partnerschaftlich führen und nicht als Geldquelle.“